Ein Gerippe im Purpurmantel mit Hermelinpelz, das sich mit der rechten Hand auf ein Schwert stützt. Mit der Linken stößt es einen prunkvollen Thron um. Auf dem Schädel trägt das Skelett eine gezackte Metallkrone, sein rechter Fuß steht auf einer Erdkugel.
Man könnte das Gemälde, das die Darmstädter Künstlerin Hermione von Preuschen 1887 mit 33 Jahren vollendete, so verstehen: Ruhm ist geliehen, Macht ist endlich – am Ende regiert der Tod.
Manche in Berlin empfanden das Bild damals jedoch als große Zumutung. Die Jury der Königlichen Akademie der Künste, an die Hermione von Preuschen ihr Werk »Mors Imperator« (übersetzt: »Der Tod ist der Herrscher«) im selben Jahr sandte, wies es für eine geplante Ausstellung zurück. Man sah darin eine Anspielung auf den greisen Kaiser Wilhelm I., der unlängst 90 Jahre alt geworden war. So schildert es die Alte Nationalgalerie in Berlin auf ihrer Webseite .
Die Künstlerin schrieb demnach daraufhin direkt an den Monarchen, der ausrichten ließ, er habe nichts gegen das Werk. Es nützte von Preuschen jedoch nichts: Die Jury der Königlichen Akademie der Künste blieb bei ihrer Ablehnung.
Da ergriff die Malerin, die offenbar ein gutes Gespür für die Öffentlichkeit besaß, selbst die Initiative. Sie mietete einen Raum in Berlin, um das Gemälde dort gegen Eintritt zu zeigen. Besucher strömten herbei, Zeitungen berichteten – und der Skandal machte von Preuschen schlagartig berühmt.
Rund 140 Jahre später zeigt nun die Alte Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel das Gemälde. Die Ausstellung läuft von diesem Wochenende an bis Mitte November. Der Galerie zufolge galt das Gemälde zwischendurch länger als verschollen.
Neben dem »Mors Imperator« sind in der Ausstellung auch Briefe und weitere Dokumente zu sehen, die den Skandal um das Bild ebenso illustrieren wie das Wirken von Hermione von Preuschen als Schriftstellerin, Weltreisende und Bauherrin.

