SpOn 02.10.2026
10:55 Uhr

Haushaltsdefizit von Bund, Ländern und Kommunen fast doppelt so hoch wie 2025


Im ersten Halbjahr sind Deutschlands Staatsausgaben drastisch gestiegen. Da gleichzeitig Einnahmen wegbrachen, klafft eine Lücke von fast 100 Milliarden Euro im Haushalt. Das liegt auch an Geschenken wie dem Tankrabatt.

Haushaltsdefizit von Bund, Ländern und Kommunen fast doppelt so hoch wie 2025

Deutschland fehlen aufgrund von teuren Entlastungsmaßnahmen im ersten Halbjahr 2026 fast 100 Milliarden Euro im Staatshaushalt. Das Defizit der öffentlichen Haushalte habe sich damit deutlich ausgeweitet, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Vorjahreszeitraum war das Minus mit 58,5 Milliarden Euro deutlich kleiner ausgefallen.

Insgesamt beträgt das Defizit derzeit 98,8 Milliarden Euro. Den mit Abstand größten Anteil daran hatte der Bund, dessen Finanzierungsloch ⁠sich auf ⁠72,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelte. Aber: Alle staatlichen Ebenen schlossen die erste ​Jahreshälfte mit einem Defizit ab.

Zwei Prozent mehr Einnahmen bei sechs Prozent mehr Ausgaben

Wie das Statistische Bundesamt berichtet, gab es im ersten Halbjahr 2026 nur rund zwei Prozent mehr Einnahmen, aber rund sechs Prozent mehr Ausgaben als im ersten Halbjahr 2025. Zu dem Defizit beigetragen haben demnach vor allem zwei Entlastungsmaßnahmen: erstens die Senkung der Stromsteuer für das produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft und zweitens die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe. Dazu kommt ein Einbruch bei den Tabaksteuereinnahmen nach der Erhöhung.

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Insgesamt sanken die Steuereinnahmen des Bundes um ‌3,1 Prozent. Gleichzeitig stiegen unter anderem auch die Zinskosten: Für den öffentlichen Gesamthaushalt kletterten die Zinsausgaben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Fünftel auf 31,2 Milliarden Euro. Investoren verlangen deutlich höhere Renditen ‌für den Kauf von Bundesanleihen – unter anderem wegen der gestiegenen Inflation und der Konkurrenz durch attraktive Unternehmensanleihen, etwa zur Finanzierung von Datenzentren für künstliche Intelligenz.

Auch Gemeinden fehlt das Geld

Auch ‌die Kommunen schrieben tiefrote Zahlen. ​Ihr Finanzierungsdefizit verharrte mit 20,1 Milliarden ‌Euro auf dem Rekordniveau des Vorjahres, dem höchsten Wert für ‌eine erste Jahreshälfte ​seit der Wiedervereinigung. Die Länder verzeichneten zusammengenommen ein Minus von 6,3 Milliarden Euro, wobei einzelne Bundesländer wie Bayern ​und Sachsen Überschüsse erzielten.

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Die Sozialversicherung schloss ⁠nahezu ausgeglichen ab. Dies gelang auch ​deshalb, weil ​sie durch Darlehen des Bundes in Höhe von insgesamt 10,2 Milliarden Euro gestützt wurde.

Der im Frühjahr beschlossene Tankrabatt kam nur zu gut 80 Prozent bei den Verbrauchern an. Jetzt hat die Regierung ihn erneut eingeführt, und auch dieses Mal drohen Hunderte Millionen Euro an Steuergeld zwischen Raffinerie und Zapfsäule zu versickern. Die Regierung unternimmt dagegen wenig. Mehr dazu lesen Sie hier. 

mkh/AFP/dpa/Reuters