SpOn 27.05.2026
12:50 Uhr

Handys: Verzicht auf Smartphone könnte Wohlbefinden von Kindern verbessern


Wie geht es Kindern und Jugendlichen, die drei Wochen kaum noch Zeit am Handy verbringen? Ein Forschungsteam hat das untersucht und herausgefunden: Viele schlafen besser und fühlen sich ausgeglichener.

Handys: Verzicht auf Smartphone könnte Wohlbefinden von Kindern verbessern

Weniger Zeit am Handy könnte Schlafstörungen sowie depressive Symptome von Kindern verringern und gleichzeitig das psychische Wohlbefinden steigern. Darauf deutet eine Untersuchung  des österreichischen Anton-Proksch-Instituts hin, die gemeinsam mit dem TV-Sender »ORF«  durchgeführt wurde.

Das Team um den Psychologen Oliver Scheibenbogen befragte dafür gut 46.000 Kinder und Jugendliche aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol in Italien:

  • Etwa 32.000 Kinder und Jugendliche verzichteten im Rahmen der Untersuchung drei Wochen ganz auf ihre Smartphones oder durften sie nur in beschränktem Ausmaß nutzen. Etwa um zu telefonieren oder Nachrichten zu schreiben.

  • Das Forschungsteam verglich die Ergebnisse dieser Gruppe mit Aussagen von rund 14.000 Kindern, die einer Kontrollgruppe angehörten und ihr Smartphone weiterhin uneingeschränkt nutzten.

  • Befragt wurden die Kinder und Jugendlichen vor dem Experiment, am Ende davon und fünf Wochen, nachdem sie wieder mit der Nutzung begonnen hatten.

  • Dabei füllten sie anonym wissenschaftliche Fragebögen zu ihrer Stimmung, ihrem Schlaf, Wohlbefinden und ihrem Umgang mit dem Handy aus.

Die Untersuchung zeigt also nur, wie sich die Kinder und Jugendlichen innerhalb eines kurzen Zeitraums gefühlt haben. Selbstauskünfte aus Fragebögen sind zudem mit Unsicherheiten behaftet, weil die Aussagen von Erwartungen beeinflusst werden und damit verzerrt sein können. Auch einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Handynutzung und psychischem Wohlergehen beweist die Studie nicht, denn auch viele andere Faktoren wie etwa Bewegung oder Ernährung können darauf Einfluss nehmen.

Dennoch liefert die Untersuchung einen Einblick in das Befinden von Kindern und Jugendlichen, die auf das Smartphone verzichteten. Unmittelbar nach den drei Wochen zeigten sich demnach folgende Veränderungen:

  1. Bei der ersten Befragung gaben 58 Prozent der Teilnehmenden an, leichte bis mittelgradige Symptome einer Depression zu verspüren. Acht Prozent der Kinder und Jugendlichen waren eigenen Angabe zufolge von mittelgradig schweren Symptomen betroffen, drei Prozent von schweren. Nach drei Wochen sanken leichte bis mittelgradige Symptome einer Depression um rund zehn Prozent. Auch die Symptome von schweren Depressionen gingen von 2,9 auf 1,7 Prozent zurück.

  2. Vor dem Experiment berichtete die Hälfte der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen über leichte bis mittelschwere Schlafstörungen. Als sie ihre Handyzeit reduzierten, schliefen 23 Prozent der Befragten besser ein und durch.

  3. Das psychische Wohlbefinden stieg in den drei Wochen den Angaben zufolge um etwa 18 Prozent an, am stärksten in der Gruppe, die komplett auf das Handy verzichtete.

Zudem habe es offenbar vielen Kindern und Jugendlichen geholfen, über ihre Handyzeit zu diskutieren. »Über alle Skalen, die wir verwendet haben, sieht man, dass es auch in der Kontrollgruppe eine Verbesserung gegeben hat«, sagte Psychologe Scheibenbogen. »Allein durch das Reflektieren und durch die Beschäftigung mit dem eigenen Internet-Nutzungsverhalten hat es hier also Veränderungen zum Positiven gegeben.«

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Dabei gelang es zwei Dritteln der Kinder und Jugendlichen, tatsächlich 21 Tage auf ihr Smartphone zu verzichten. Für Scheibenbogen ist das ein Erfolg. Die Quoten bei anderen Experimenten, etwa im Kampf gegen Nikotinabhängigkeit, liegen niedriger, so der Experte.

Wenn ein Verzicht nicht gelang, griffen die meisten Kinder und Jugendlichen schon am ersten Tag wieder zum Handy. Hielten sie den ersten Tag dagegen durch, stieg die Wahrscheinlichkeit, den ganzen Zeitraum lang auf ihr Handy zu verzichten. Sie sparten laut der Studie insgesamt 7.373.016 Stunden am Smartphone ein.

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ast