SpOn 22.05.2026
04:28 Uhr

Grönland: Bürger protestieren vor neuem US-Konsulat in der Hauptstadt Nuuk


Für Grönland geht das schon als Massenprotest durch: Hunderte Menschen sind auf der Arktisinsel vor die neue US-Vertretung gezogen. Sie wehren sich gegen Donald Trumps Drohungen und Lockversuche.

Grönland: Bürger protestieren vor neuem US-Konsulat in der Hauptstadt Nuuk

Das Interesse der US-Regierung gilt derzeit vor allem Iran (und wohl auch Kuba, mehr dazu hier ). Doch auch das Thema Grönland hat sich offenbar noch nicht erledigt. Die Eröffnung einer neuen und größeren diplomatischen Vertretung der USA in Grönland hat am Donnerstag zu ​Protesten geführt.

Hunderte Menschen demonstrierten in der Hauptstadt Nuuk vor dem Konsulat, trugen die ‌rot-weiße Flagge der Insel und Plakate mit der Aufschrift »USA, hört auf damit«. Sie skandierten »Nein heißt Nein« und »Grönland gehört den Grönländern«. Der Protest richtet sich gegen das Vorhaben von US-Präsident Donald Trump, den US-Einfluss auf ​der Insel zu erhöhen.

Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen und eine Reihe ⁠weiterer Politiker ⁠erklärten, sie hätten Einladungen zur Eröffnung der neuen diplomatischen Vertretung abgelehnt. Grönland gehört als autonomes Gebiet zum EU- und Nato-Land Dänemark.

Das US-Konsulat ist von einer Holzhütte am Stadtrand von Nuuk in ein viel ‌größeres Büro in die Innenstadt gezogen. Das Weiße ​Haus hatte ‌im Januar erklärt, Trump wolle Grönland in US-Besitz bringen und dazu notfalls auch das Militär einsetzen. Das war bei den Nato-Verbündeten der USA in Europa auf scharfe Kritik gestoßen. Von seiner Drohung, Grönland einfach zu übernehmen, war Trump dann wieder abgerückt.

Demo vor dem US-Gebäude in Nuuk

Demo vor dem US-Gebäude in Nuuk

Foto: Orla Joelsen / REUTERS

Der US-Präsident hat ‌Grönland, eine Insel mit 57.000 Einwohnern, als strategisch entscheidend für die Eindämmung von Russlands und Chinas Einfluss in der Arktis ‌bezeichnet. Die USA betreiben dort einen ​aktiven Militärstützpunkt. Die grönländische ‌Regierung hatte am Montag erklärt, es gebe Gespräche ‌über ​die Zukunft des Territoriums und dabei habe es auch Fortschritte gegeben. Die Insel gehöre aber ihrem ​Volk und werde niemals ⁠zum Verkauf stehen.

US-Gesandter lässt nicht locker

Trotz des Widerstandes lassen die USA in ihren Bemühungen nicht nach. Bei seinem Besuch in Grönland hat der Sondergesandte von US-Präsident Trump zuletzt für eine Unabhängigkeit der Arktisinsel geworben. »Ich glaube, es gibt ein paar unglaubliche Möglichkeiten, die die Grönländer tatsächlich aus der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit führen könnten«, sagte Jeff Landry der grönländischen Zeitung »Sermitsiaq« in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Er sei der Ansicht, dass der »Präsident der Vereinigten Staaten das Land gerne ökonomisch unabhängig sehen würde«, fügte Landry hinzu. »Und ich denke, das ist möglich.«

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Landry war am Sonntag zu einem umstrittenen Besuch in Grönland eingetroffen. Trump hatte den republikanischen Gouverneur von Louisiana im Dezember zu seinem Sondergesandten für die Arktisinsel ernannt.

Laut Umfragen ist eine Mehrheit der Menschen in Grönland dafür, dass die Insel eines Tages von Dänemark unabhängig wird. Für die Regierung steht eine Unabhängigkeit aber nicht auf der Tagesordnung, da es noch viele ungeklärte Themen gibt. Das hängt in erster Linie mit der Abhängigkeit der grönländischen Wirtschaft von Dänemark zusammen.

Viele Grönländer hofften, der Irankrieg würde Trump ablenken. Nun ist sein Sondergesandter auf der Insel gelandet – offiziell für nette Gespräche. Doch im Hintergrund gibt es neue US-Forderungen. Und die sind beängstigend. 

jok/Reuters