SpOn 19.05.2026
11:56 Uhr

Görlitz: Was wir über den Hauseinsturz in Sachsen wissen – und was nicht


In der Görlitzer Innenstadt ist ein Haus eingestürzt. Die Einsatzkräfte suchen nach drei vermissten Personen. Die Ursache des Unglücks ist noch unklar. Es könnte sich um eine Gasexplosion handeln.

Görlitz: Was wir über den Hauseinsturz in Sachsen wissen – und was nicht

Was ist passiert?

In der Görlitzer Innenstadt ist am Montagabend gegen 17.30 Uhr ein Mehrfamilienhaus eingestürzt. Die genaue Ursache steht noch nicht fest. »Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus«, sagte Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU).

Nach Polizeiangaben trat auch am Dienstagmorgen noch immer Gas aus, die Gefahr sei noch nicht gebannt.

Das Unglück geschah in der James-von-Moltke-Straße unweit des Görlitzer Bahnhofs. In dem eingestürzten Haus befanden sich nach Angaben der Polizei Miet- und Ferienwohnungen. Davon seien mehrere Einheiten vermietet gewesen.

Wer kam zu Schaden?

Drei Personen werden vermisst. Die Suche dauert laut Angaben der Polizei an. Es könne sein, dass sich die Vermissten zum Zeitpunkt des Einsturzes im Haus aufhielten. Es handele sich um zwei rumänische Touristinnen im Alter von 25 und 26 Jahren und einen Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit im Alter von 48 Jahren. Er hielt sich demnach beruflich in Görlitz auf.

Zunächst hatte die Polizei mitgeteilt, fünf Menschen seien nicht erreichbar. Zwei von ihnen waren aber kurz nach Mitternacht aufgetaucht – zwei Feriengäste, die noch auf der Anreise waren. Sie seien wohlauf, so die Polizei.

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Nach dem Einsturz hatte die Polizei mindestens drei angrenzende Häuser mit 54 Personen evakuiert. Ein Sprecher der Polizei teilte dem SPIEGEL mit, die Betroffenen seien größtenteils bei Verwandten untergekommen. Nur wenige hätten die Hilfsangebote der Stadt in Anspruch genommen. Laut der Nachrichtenagentur dpa sind vier Personen in einer städtischen Villa untergebracht.

Wie läuft die Suche?

Mit bloßen Händen suchen die Einsatzkräfte nach den drei Vermissten in dem eingestürzten Haus. »Jeder Stein, jedes Brett muss per Hand angehoben werden, um eventuelle Hohlräume, in denen sich Gas angesammelt haben könnte, zu entdecken«, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr Görlitz, Sebastian Schramm.

Einsatzkräfte des THW besprechen sich während der Suche nach den Verschütteten

Einsatzkräfte des THW besprechen sich während der Suche nach den Verschütteten

Foto: Paul Glaser / dpa

Insgesamt waren am Montag 140 Einsatzkräfte am Unglücksort. Unterstützung komme von allen Seiten auch aus dem benachbarten Polen, sagte Oberbürgermeister Ursu. Zudem seien Höhenretter und Hundestaffeln im Einsatz. In der Nacht krochen nach Feuerwehrangaben fünf Hunde in kleinste Höhlen. »Die Hunde schlagen bei Lebenszeichen an, was sie gestern auch gemacht haben«, erläuterte Remo Kölzschder von der Feuerwehr Görlitz. Am Dienstag hätten sie bislang nicht angeschlagen.

Dank spezieller Messgeräte sei die Suche trotz des Gaslecks möglich, hieß es von der Polizei. Außerdem wurden am Unglücksort Geräte aufgebaut, die Erschütterungen messen. Der Unfallort wurde abgesperrt, sodass Schaulustige das Haus nicht mehr sehen können.

Wie geht es weiter?

Der Einsatz werde mindestens den ganzen Dienstag, womöglich auch die darauffolgende Nacht andauern. Die Überlebenschance liege bei diesen Temperaturen bei 72 Stunden, sagte Raik Schulze, Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion Görlitz.

Mitarbeiter einer Baufirma öffnen die Straßendecke, um dort später die Hauptleitung für das Gas abzutrennen

Mitarbeiter einer Baufirma öffnen die Straßendecke, um dort später die Hauptleitung für das Gas abzutrennen

Foto: Paul Glaser / dpa / picture alliance

Die Einsatzkräfte seien dabei, eine Lösung für das Problem des ausstehenden Gases zu finden, sagte Einsatzleiter Schramm. Unklar sei, in welchem Umfang noch Gas ausströme. Die »Sächsische Zeitung« berichtete, es sei auch noch unklar, wann das Gas abgestellt werden könne. Der Schieber für die Gasversorgung liege unter den Trümmern begraben und müsse erst noch freigelegt werden.

Baustatiker waren inzwischen vor Ort. Die Häuser links und rechts der Einsturzstelle könnten später wieder bezogen werden, aber erst, wenn die Personensuche abgeschlossen sei, berichtete die dpa.

boc/kfr/dpa