Der eine kommt, der andere muss abtreten: Die Wahl von FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki beim Parteitag in Berlin gilt als sicher. Als Parteichef würde er auf den glücklosen Christian Dürr folgen, der nach dem Rauswurf aus dem Bundestag an die Spitze der Liberalen getreten war.
Doch weil sich die Krise der Partei unter Dürr sogar noch weiter verschärfte, drängte man ihn in den eigenen Reihen zum Rückzug. In Berlin hat der scheidende Vorsitzende nun seine Abschiedsrede gehalten – und wurde sogar mit stehendem Applaus belohnt. Und das, obwohl er auf Selbstkritik völlig verzichtete.
Dürr sagte, er habe viel darüber nachgedacht, wo die Liberalen in den vergangenen Monaten noch mutiger, klarer und schneller hätten sein können. Er nannte dafür aber keine Beispiele. Mit den Worten »Ich gehe heute aus einem Amt, meine Heimat bleibt die FDP« verabschiedete sich Dürr, der für keinen Parteiposten mehr kandidiert.
Umso schärfer hatte Dürr zuvor hingegen die schwarz-rote Bundesregierung attackiert: Er warf Union und SPD eine maßlose Schuldenpolitik und fehlenden Reformwillen vor. Nach einem Jahr Amtszeit von Kanzler Friedrich Merz (CDU) stecke Deutschland mehr denn je in einer wirtschaftlichen Krise und habe die unbeliebteste Regierung in seiner Geschichte.
Dürr forderte: »Es ist unser Auftrag, eine Antwort auf den lähmenden Status quo der deutschen Politik zu sein. Von diesem lähmenden Status quo profitieren die Ränder – links und rechts.«
Nach den dramatischen Schlappen der FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz waren im Frühjahr Präsidium und Bundesvorstand der Bundespartei zurückgetreten. Dürr wollte allerdings ursprünglich wieder für das Amt des Bundesvorsitzenden antreten. Er verzichtete nach interner Kritik letztlich darauf, als der bisherige Vize-Parteichef Kubicki seine Kandidatur ankündigte.
