Die FDP kommt nicht zur Ruhe: Beim Bundesparteitag der Liberalen in Berlin kommt es überraschend zu einer Kampfkandidatur um den Parteivorsitz. Gegen den bisher einzigen Bewerber Wolfgang Kubicki tritt die Europa- und Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann an.
Der frühere nordrhein-westfälische Landesminister Joachim Stamp hatte Strack-Zimmermann für den Vorsitz vorgeschlagen – gemeinsam mit 33 Delegierten. Im Saal war daraufhin Jubel und Geraune zu hören, Strack-Zimmermann stimmte der Kandidatur zu.
Strack-Zimmermann: »Alle weiterhin willkommen«
Kubicki, der bis dahin eigentlich als ausgemachter und unangefochtener künftiger Parteichef galt, wandte sich daraufhin direkt an seine neue Herausforderin: »Meine Danksagung geht an Marie-Agnes Strack-Zimmermann, weil ich froh darüber bin, dass die beiden alten Schlachtrösser jetzt ins Geschirr gehen«, begann der 74-jährige Kubicki seine Bewerbungsrede.
Kubicki gilt in der FDP als Rechtsliberaler, die 68-jährige Strack-Zimmermann steht eher für den sozialliberalen Flügel und ist im Europaparlament Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. Die beiden gelten parteiintern seit Langem als Kontrahenten.
Als Strack-Zimmermann nach Kubicki die Bühne betrat, waren Buhrufe zu hören. »Du hast recht, lieber Wolfgang, wir sind beide Schlachtrösser«, sagte Strack-Zimmermann und begann mit einem Witz, aber »es gibt einen Unterschied, ich bin definitiv besser rasiert als du«. Sie wolle mit ihrer kurzfristigen Kandidatur ein Zeichen setzen für die linksliberaleren Stimmen in der FDP, die zuletzt arg unter Druck geraten seien. »Ihr seid alle weiterhin willkommen«, sagte Strack-Zimmermann.
Sie verwies auf Beiträge oder Reaktionen vom designierten Generalsekretär Martin Hagen in den sozialen Medien. »Man macht sich nicht in dieser stillosen Weise über Parteikollegen lustig«, befand Strack-Zimmermann. Sie wandte sich gegen Kulturkämpfe innerhalb der Partei. Ganz grundsätzlich sagte sie: »Liberalismus heißt nicht, sich morgens einen Gegner zu suchen, um abends in den Sessel zu fallen, wenn man ihn erfolgreich beleidigt hat.«
Strack-Zimmermann nutzte in ihrer Rede viel Zeit dafür, um dafür einzutreten, die Brandmauer zur AfD nicht anzutasten. Extremisten müssten »von der Macht gehalten werden, so weit möglich«, sagte sie. Sollte sie gewählt werden, würde sie sich für Helmer Krane aus Kubickis Landesverband Schleswig-Holstein als Generalsekretär entscheiden wollen.
Auch Kubicki bezeichnete die AfD als Kraft, die es zu bekämpfen gelte – und schloss eine Zusammenarbeit aus. Die Partei müsse aber in der Sache gestellt werden, sagte Kubicki.
