Harry Kane hatte es sofort bemerkt: Etwas stimmte nicht. Als er im Spiel gegen den VfL Wolfsburg seinen ersten Strafstoß in der Bundesliga verschossen hatte, schaute er nicht dem Ball hinterher, der am Tor vorbeiflog, sondern sofort zurück zum Elfmeterpunkt. Später kontrollierte er auch noch seinen Schuh.
Harry Kane verschießt einen Elfmeter? Das konnte doch nicht mit richtigen Dingen zugegangen sein!
Kanes Gefühl hatte den Bayern-Angreifer nicht getrogen. Etwas stimmte tatsächlich nicht, aber es hatte nichts mit seinen Schuhen zu tun. Sondern mit dem Rasen. Vor der Ausführung des Strafstoßes, als der VAR die Szene vor dem Foul an Michael Olise im Strafraum noch einmal überprüfte, hatte sich Wolfsburgs französischer Verteidiger Jeanuël Belocian am Elfmeterpunkt zu schaffen gemacht.
Belocian stapfte über den Punkt, trat einmal fest in den Rasen, wie auf Videoaufnahmen zu sehen ist. Mit Erfolg: Kane rutschte ein wenig weg und verzog. Auf die Szene angesprochen, sagte der Franzose der »Bild«-Zeitung : »Ja. Das war einfach.« VfL-Kollege Patrick Wimmer sagte demnach: »Es sind natürlich dann dreckige Spielchen, die muss man vielleicht auch anwenden, wenn man da unten drinsteht.«
Jeanuël Belocian (l.)
Foto:Swen Pförtner / dpa
24 Elfmeter in Folge verwandelt
Für Kane war es eine Premiere: der erste Fehlschuss nach zuvor 24 verwandelten Elfmetern in der Bundesliga. Nur in zwei anderen Wettbewerben scheiterte er jeweils einmal vom Punkt: im DFB-Pokal dieser Saison im Erstrundenspiel beim SV Wehen Wiesbaden. Und in der Champions League im Januar gegen Union Saint-Gilloise.
Bayern-Sportchef Max Eberl im ZDF-Sportstudio
Die Bayern gewannen das Spiel durch ein Tor von Olise trotzdem noch 1:0, deshalb war die Szene kein großes Thema mehr bei den Münchnern. Besonders gut kam die Aktion bei Bayern-Mittelfeldspieler Tom Bischof jedoch nicht an: »Ich weiß, dass Wolfsburg um die Relegation kämpft, um in der Bundesliga zu bleiben. Trotzdem finde ich, dass es eine unnötige Aktion ist. Ich glaube, Fair Play macht man trotzdem, auch wenn es um viel geht«, sagte er dem TV-Sender Sky.
Gelassener zeigten sich Bayern-Vorstand Max Eberl und Trainer Vincent Kompany. »Ich weiß, im Abstiegskampf versucht man alle Mittel und Wege, dass der Gegner das Tor nicht schießt. Dann haben wir es anderweitig geschossen«, sagte Eberl im ZDF-Sportstudio.
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Kompany sagte: »Natürlich wünschen wir uns das nicht, aber ich habe auch ein bisschen Verständnis dafür. Für Wolfsburg geht es um alles.« Der Belgier sprach auch die Passivität seiner eigenen Spieler in dieser Szene an. »Wenn das am Mittwoch gegen Paris passiert wäre, wären wir mit zwei, drei Leuten da hingerannt.«
