Die Gewerkschaft Ver.di hat bereits vergangene Woche auf ihrer Homepage berichtet, dass die Journalistin Eva Maria Michelmann im Januar offenbar von syrischen Regierungstruppen festgenommen wurde. Sie war im Gebiet der »Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien«, auch »Rojava« genannt, tätig, als sie durch Kräfte der syrischen Übergangsregierung von Präsident Ahmed al-Sharaa festgenommen wurde.
Zuvor hatte es massive Angriffe der syrischen Regierungstruppen auf die kurdische Selbstverwaltung gegeben.
Am Mittwoch ging Michelmanns Familie auf einer Pressekonferenz der Organisation Peoples Bridge an die Öffentlichkeit. Der Anwalt der Familie äußerte die Sorge, dass sich die Journalistin in informeller Gefangenschaft befinden könnte, was bedeuten könnte, dass sie verschleppt worden sein könnte und noch nicht der offiziellen Regierung übergeben wurde.
Es bestünde aber auch die Möglichkeit, dass sie getötet und in einem anonymen Massengrab verscharrt worden sein könnte. Eine weitere Variante der Ereignisse, so der Anwalt weiter, könnte sein, dass die Türkei unmittelbar an den militärischen Auseinandersetzungen im Januar beteiligt gewesen war und Michelmann von der syrischen Übergangsregierung an sie übergeben wurde.
Denn die deutsche Journalistin ist offenbar nicht allein verschwunden. Mit ihr zusammen wird auch der türkische Staatsangehörige Ahmed Polad vermisst, der für kurdische Medien und für die türkische Nachrichtenagentur ETHA berichtete. Insgesamt operieren nur sehr wenige Journalisten in der Region.
Das Auswärtige Amt bestätigte, dass man über das Verschwinden von Michelmann informiert worden sei. Auf der Pressekonferenz der Familie hieß es, dass inzwischen alle wesentlichen offiziellen Stellen im Nahen Osten, nicht nur in Syrien, durch die deutsche Regierung benachrichtigt worden seien. Die Daten und ein Foto von Eva Maria Michelmann seien weitergegeben worden, um ihren Aufenthalt zu ermitteln.
