SpOn 22.05.2026
18:56 Uhr

Erlangen bittet Volksfestwirte um Verzicht auf umstrittene Songs wie »Layla«


»Skandal im Sperrbezirk«, Skandal in Erlangen? Die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt haben eine Liste mit Songs erarbeitet. Mit der Bitte an Volksfestwirte, sie nicht zu spielen. Die Reaktionen überraschen kaum.

Erlangen bittet Volksfestwirte um Verzicht auf umstrittene Songs wie »Layla«

Gehören frauenfeindliche und sexistische Songs zur deutschen Festzeltkultur? Aus Erlangen kommt in dieser Debatte, die spätestens seit dem Song »Layla« fast jährlich geführt wird, ein Nein. Die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt haben eine Liste von Songs für die diesjährige Bergkirchweih erarbeitet, verbunden mit der Bitte, sie nicht zu spielen. Die Reaktionen darauf sind – vorsichtig gesagt – geteilt.

Réka Lőrincz von der Gleichstellungsstelle der Stadt Erlangen sagte den »Nürnberger Nachrichten« , dass es sich nicht um die schönste Arbeit und Recherche gehandelt habe. Man habe die Songs aber nicht nur vom Gefühl her bewerten wollen, sondern es »wirklich faktenbasiert aufarbeiten«. Herausgekommen ist diese Liste:

  • »Layla« – DJ Robin & Schürze

  • »Nein heißt ja« – G.G. Anderson

  • »Donaulied« – dazu gibt es unter anderem eine Ballermann‑Version von Mickie Krause

  • »Baby Bell« – Breitner

  • »Joana (du geile Sau)« – Roland Kaiser/Ballermann‑Version unter anderem von Peter Wackel

  • »Olé, wir fahr’n in’ Puff nach Barcelona« – Mickie Krause

  • »20 Zentimeter« – Mirja Boes

  • »Die Glöcknerin von Dingolfing« – Dorfrocker

  • »Skandal im Sperrbezirk« – Spider Murphy Gang

  • »Geh mal Bier hol’n« – Mickie Krause

  • »Deine Freundin« – SDP

  • »10 nackte Friseusen« – Mickie Krause

In den meisten dieser Songs werden Frauen objektifiziert und herabgewürdigt. In »Skandal im Sperrbezirk«, in dem es um eine Prostituierte namens Rosi geht, wird Prostitution mindestens inszeniert, wenn nicht romantisiert. »Layla« sorgte bereits 2022 für eine nationale Debatte, ob sexistische oder frauenfeindliche Songs verboten werden sollten. Die Stadt Würzburg untersagte damals, den Song auf einem Volksfest spielen zu lassen.

Kein Verbot, eine »Sensibilisierung«

Die Stadt Erlangen betonte gegenüber den »Nürnberger Nachrichten«, dass es sich bei den zwölf Songs nicht um eine Verbotsliste handele. »Die Liste ist als Orientierung und Sensibilisierung gedacht. Unser gemeinsames Ziel mit Wirtinnen, Wirten und Schaustellerbetrieben ist ein friedliches und respektvolles Fest für alle«, heißt es. Einfacher gesagt: Die Gleichstellungsstelle macht das, was eine Gleichstellungsstelle halt so macht.

Die Reaktionen sind dennoch so erwartbar wie deutlich. »Bild« schreibt etwa: »Stadt verbietet 12 Songs wegen angeblicher ›Menschenfeindlichkeit‹«. Der Manager der Spider Murphy Gang spricht von einem Skandal. Ballermann-Star Peter Wackel behauptet, dass es auf der Bergkirchweih seit fünf oder sechs Jahren immer wieder Verbote hagele.

Der Sprecher der Vereinigung der Bergwirte, also der Menschen, die auf der Bergkirchweih ausschenken, nimmt dem Aufschrei zumindest etwas den Wind. Er sei »absolut der Meinung, dass man diskriminierende Lieder möglichst nicht spielen sollte«, sagte Till Stürmer den »Nürnberger Nachrichten«. Es gebe Menschen, die sich an so etwas störten, und Menschen, die genau diese Lieder hören wollten. »Beides muss man zur Kenntnis nehmen.«

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Stürmer glaube nicht, dass wegen der Songs jemand wegbleibe, warnte aber vor einer einseitigen Betrachtung. Besser sei ein pragmatischer Umgang: nicht reglementieren, aber schon sagen: »Da gibt es Menschen, die fühlen sich gestört – nehmt das bitte zur Kenntnis«, sagte der Bergwirte-Sprecher.

Der eigentliche Anlass, warum sich die Stadt mit der Musik beschäftigt hat, ist sowieso schon in den Hintergrund gerückt. Im vergangenen Jahr hatte es Berichte über sexuelle Belästigung auf dem Volksfest gegeben, womöglich angeheizt durch frauenfeindliche Songtexte. Die Ereignisse seien der konkrete Anlass gewesen, sich intensiver und systematisch damit auseinanderzusetzen, sagte Gleichstellungsbeauftragte Lőrincz den »Nürnberger Nachrichten«.

Warum es verlogen ist, Schlagersongs über Prostitution zu verbieten, während Deutschland als Bordell Europas gilt, lesen Sie hier.

hba