Bei einem schweren Verkehrsunfall in Dinslaken kamen am Mittwoch zwei Zwölfjährige ums Leben. Nun hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen die Autofahrerin eröffnet, der Verdacht: fahrlässige Tötung. Das teilt die zuständige Staatsanwaltschaft Duisburg mit.
Die Frau habe bereits im Mai vergangenen Jahres wegen eines plötzlichen Ohnmachtsanfalls am Steuer einen Unfall verursacht. Danach sei ihr ein sogenannter Ereignisrekorder zur Aufzeichnung der Herzaktivität implantiert worden. Dessen Daten würden nun ausgewertet, heißt es in der Mitteilung. Außerdem sei das Auto der Frau sichergestellt und ein Sachverständiger mit der Rekonstruktion des Unfalls beauftragt worden.
Ein Ereignisrekorder ist ein Gerät, das die Herzaktivität kontinuierlich überwacht. Solche Geräte werden implantiert, um plötzliche Ohnmachtsanfälle oder Aussetzer der Herztätigkeit zu erkennen, die bei einem Langzeit-EKG möglicherweise nicht auffallen.
Menschen stellten am Unfallort in Dinslaken Kerzen für die Opfer auf
Foto: Oliver Berg / dpaDritter Junge verletzt
Die 47-Jährige war am Morgen kurz vor Schulbeginn mit ihrem Auto in eine Gruppe von drei zwölfjährigen Jungen gefahren – Schüler des Dinslakener Otto-Hahn-Gymnasiums, die auf Fahrrädern auf dem Weg zum Unterricht waren. Zwei der Zwölfjährigen wurden so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus starben. Der Dritte erlitt leichte Verletzungen und musste nicht im Krankenhaus behandelt werden.
Die 47-Jährige hatte nach dem Zusammenprall mit den Schülern mit ihrem Wagen noch drei weitere Autos gerammt und beschädigt. Sie wurde auch selbst schwer verletzt. Die Frau sei aufgrund ihrer Verletzungen weiterhin im Krankenhaus und nicht vernehmungsfähig, heißt es nun von der Staatsanwaltschaft. Wie genau es zu dem Unfall kam, sei weiter Gegenstand der Ermittlungen.
Trauer in Dinslaken
Am Gymnasium der drei verunglückten Jungen, an der Grundschule, vor der der Unfall passiert war, und in der ganzen Stadt herrscht große Betroffenheit. Zahlreiche Menschen legten an der Unfallstelle Kerzen, Blumen und Teddybären ab, um ihre Trauer auszudrücken.
An der Schule der Jungen seien Schulpsychologen und Notfallseelsorger im Einsatz. Besondere Zuwendung erhalte dabei die Klasse, die um ihre zwei Mitschüler trauert, sagte eine Sprecherin der Stadt.
NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) hatte der weiterführenden Schule sowie der Grundschule, in deren Nähe sich der Verkehrsunfall ereignete, Hilfen etwa durch Schulpsychologen zugesichert. »Wir werden die Schulen mit allem unterstützen, was uns möglich ist«, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.
Der Bürgermeister von Dinslaken, Simon Panke (SPD), sprach den Familien ebenfalls sein Beileid aus. »Unsere Gedanken sind vor allem bei den Kindern und ihren Eltern und Familien. Für sie ist das Schlimmste eingetreten, was überhaupt passieren kann«, schreibt er bei Facebook. Auch bei Freunden, Mitschülern und Lehrkräften seien Schock und Schmerz riesig. Die Schule brauche jetzt Zeit und Ruhe zur Aufarbeitung, so Panke. »Dies gilt speziell für die Klassenkameraden der verstorbenen Kinder.«
Wie finden Eltern nach dem Tod ihres Kindes in den Alltag zurück? SPIEGEL-Kolumnistin Nadine von Kameke, selbst verwaiste Mutter, berichtet von ihren Erfahrungen als Trauerbegleiterin. Hier lesen Sie den ganzen Text.
