Das zweite Jahr in Folge war der Gegenprotest deutlich größer als der sogenannte Trauermarsch: Bei ihrem alljährlichen Aufmarsch in Demmin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) sind Rechtsextreme deutlich in der Unterzahl geblieben.
Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Aufzugs der rechtsextremen Partei »Die Heimat« (vormals NPD) am Abend auf etwa 300. Die Teilnehmerzahl einer Gegendemonstration schätzte die Polizei auf etwa 1200. Das »Aktionsbündnis 8. Mai Demmin«, das den Gegenprotest organisiert, sprach von etwa 1500.
Unter anderem mit Dutzenden Bussen waren die Teilnehmer der Gegendemo angereist, nicht nur aus Mecklenburg-Vorpommern. Eine derartige Mobilisierung hatte es nach Angaben des Aktionsbündnisses erstmals im vergangenen Jahr gegeben. Damals hatte die Zahl der Demonstranten ein Rekordniveau erreicht, die Polizei sprach von rund 290 Menschen auf der Seite der Rechtsextremen und etwa 2000 Gegendemonstranten. Das Aktionsbündnis hatte die Teilnehmerzahl deutlich höher angegeben.
Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Gegner des rechten Aufmarschs ließen sich an unterschiedlichen Orten zu Sitzblockaden nieder, bis zum Abend aber stets fernab des rechten Aufmarschs.
Vor 81 Jahren – am 8. Mai 1945 – war die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft getreten. Im Zeitraum von Ende April bis Anfang Mai 1945 kam es laut Historikern zu einem Massensuizid in Demmin, bei dem sich Hunderte Menschen aus Angst vor der Roten Armee selbst töteten. Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier.
Seit Jahren ziehen am 8. Mai Rechtsextreme schweigend durch Demmin. Das »Aktionsbündnis 8. Mai Demmin« sieht darin den Versuch, die Geschehnisse in Demmin zu instrumentalisieren und den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus gezielt umzudeuten.

