China hat zu Jahresbeginn ein überraschend hohes Plus im Außenhandel erwirtschaftet. Die Exporte stiegen im Januar und Februar in US-Dollar berechnet um 21,8 Prozent, verglichen mit dem gleichen Vorjahreszeitraum. Das teilte die Zollbehörde in Peking mit.
Demzufolge ergab sich ein Handelsüberschuss von 213,6 Milliarden US-Dollar (fast 184 Milliarden Euro). Im Vorhinein hatten Analysten lediglich mit einem Zuwachs von 7,1 Prozent bei den Exporten in den beiden ersten Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gerechnet. Für Chinas Importe erwarteten die Marktbeobachter ein Plus von 6,3 Prozent. Die Volksrepublik veröffentlicht wegen des Frühlingsfestes und der darauffolgenden Feiertage ihre Außenhandelszahlen für die beiden ersten Monate des Jahres zusammen, um Verzerrungen zu vermeiden.
Daten vor Ausbruch des Iran-Kriegs
Allerdings stammen die Zahlen noch aus der Zeit vor dem US-amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran. Erste Auswirkungen könnten sich in den März-Daten für Chinas Außenhandel zeigen. Die Volksrepublik importiert vorrangig Öl aus Iran. Zudem war der chinesische Außenhandel vor einem Jahr stark vom Zollstreit mit US-Präsident Donald Trump geprägt. Das hatte gegenseitige Aufschläge auf Importe zur Folge. Derzeit herrscht eine Pause im Zollstreit. Trump wird Ende März in China erwartet.
Laut Pekings Zolldaten gingen Chinas Exporte in die USA im Januar und Februar um 11 Prozent verglichen mit demselben Zeitraum 2025 zurück. Die Importe aus den Vereinigten Staaten sanken sogar um 26,7 Prozent.
Ganz anders verhält es sich beim Warenaustausch mit Deutschland. Die Exporte von China in die Bundesrepublik stiegen im selben Vergleichszeitraum um 31,3 Prozent an. Währenddessen importierte China nur um 4,9 Prozent mehr Waren aus Deutschland. Die deutsche Auslandshandelskammer (AHK) in China bewertet den Anstieg der Importe dennoch positiv, mit Blick auf deutsche Firmen in der Volksrepublik.
Laut Oliver Oehms, AHK-Chef in Nordchina, klaffe die Schere der Handelsbilanz auch zum Jahresbeginn zunehmend auseinander. Angesichts des starken Anstiegs der Exporte nach Deutschland und in die EU dürften die Rufe nach defensiven handelspolitischen Instrumenten lauter werden.
Oehms sieht keine echte Trendwende in China. »Der Preisdruck für deutsche Unternehmen in China bleibt hoch, und damit stehen auch die Margen weiter unter Druck«, sagte er. Die Maßnahmen Pekings für einen nachhaltigeren Wettbewerb griffen noch nicht, kurzfristig sei keine Entspannung zu erwarten, sagte der AHK-Vertreter.
Derzeit tagt in Peking der Nationale Volkskongress. Die Regierung stellte für dieses Jahr und den Fünfjahresplan bis 2030 Maßnahmen in Aussicht, um den schwachen Konsum zu stützen. Allerdings lieferte Peking bislang kaum Details.
Probleme in chinesischer Wirtschaft führen zu Exportdruck
Die geringe Nachfrage hatte im vergangenen Jahr die Importe im Vergleich zu den Exporten kaum steigen lassen, was auch deutsche Firmen in ihrem Chinageschäft zu spüren bekamen. Am Ende erreichte China einen historischen Handelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar.
Laut Handelsminister Wang Wentao will China eine ausgewogene Entwicklung von Importen und Exporten umsetzen. Peking habe den Standpunkt seiner Handelspartner zum Rekordüberschuss zur Kenntnis genommen.
Die chinesische Wirtschaft steht derzeit vor einer Reihe von Problemen: Immobilienbesitzer sind wegen fallender Wohnungspreise verunsichert. Das geschwächte Konsumvertrauen lässt die Menschen mehr sparen. Hinzu kommen eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und ein schwach ausgebautes Sozialsystem, weshalb Familien Geld für schlechte Zeiten zurücklegen.
Vor allem in der Autoindustrie führt ein starker Preiskampf zu sinkenden Margen. Viele Unternehmer versuchen daher, ihre Waren im Ausland zu verkaufen. Oft auch zu billigen Preisen, um Bestände abzubauen.
