SpOn 26.07.2026
11:28 Uhr

Berlin: Waldsiedlung Zehlendorf wird Unesco-Welterbe


Fassaden in knalligen Farben – und mittendrin Kiefernwald: Die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf gehört künftig offiziell zum Erbe der Menschheit. Die Einheimischen haben dem Viertel einen Spitznamen verliehen.

Berlin: Waldsiedlung Zehlendorf wird Unesco-Welterbe

Ein weiteres Kapitel deutscher Architekturgeschichte erfährt weltweite Anerkennung: Die Waldsiedlung Zehlendorf im Berliner Südwesten ist in die begehrte Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Dies beschloss das Unesco-Komitee während seiner Sitzung im südkoreanischen Busan.

Es handelt sich dabei um keinen neuen Eintrag in die Welterbeliste, sondern eine Erweiterung der bereits 2008 anerkannten Welterbestätte »Siedlungen der Berliner Moderne«. Zu dieser zählen nun insgesamt sieben Siedlungen, darunter die bekannte Hufeisensiedlung im Bezirk Neukölln und die Weiße Siedlung in Reinickendorf.

»Mit ihrer einzigartigen Verbindung von Architektur, Waldlandschaft und urbaner Infrastruktur erweitert die Waldsiedlung Zehlendorf das bestehende Welterbe um eine ganz eigene Facette«, sagte die deutsche Unesco-Botschafterin Kerstin Pürschel über die Entscheidung in Busan.

Spitzname »Papageiensiedlung«

Die etwa 1100 Geschosswohnungen und verschiedenen Reihen- sowie Einfamilienhäuser wurden zwischen 1926 und 1932 nahe dem heutigen U-Bahnhof Onkel Toms Hütte errichtet. Unter der Planung der Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg entstand ein Viertel, das seit 1995 unter Denkmalschutz steht.

Berlinerinnen und Berlinern nennen das Viertel auch »Papageiensiedlung«, denn die Hausfassaden sind allesamt in verschiedenen Farben bemalt – Ostfassaden in Gelb und Grün, Westfassaden in Braun und Bordeauxrot.

Reihenhäuser in der Waldsiedlung Zehlendorf

Reihenhäuser in der Waldsiedlung Zehlendorf

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

In den ersten Jahren nach dem Siedlungsbau sorgte das knallige Erscheinungsbild des Viertels auch immer wieder für Spott. »Zigarrenkistenkunst, die nach Südamerika gehört«, soll ein Bezirksbürgermeister die Bauten damals genannt haben.

Heute gilt das Konzept allerdings unbestritten als wegweisend: Unter dem Leitmotiv »Licht, Luft und Sonne« stellte die Waldsiedlung die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen während einer Zeit in den Mittelpunkt, als dies noch kaum üblich war. Zudem wollte man bezahlbaren Wohnraum für breite Schichten schaffen.

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Derzeit gibt es 55 Welterbestätten in Deutschland und mehr als 1250 in über 170 Ländern weltweit.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war von 1100 Mehrfamilienhäusern die Rede, tatsächlich bezieht sich die Zahl auf die errichteten Geschosswohnungen. Wir haben den Fehler korrigiert.

mwo/dpa/AFP/KNA