Braunau am Inn ist auf den ersten Blick eine oberösterreichische Kleinstadt wie viele andere. Das benachbarte Bayern ist nur eine Brücke entfernt, die Lage ist malerisch. Trotzdem umschreiben manche Bewohner ihre Herkunft lieber. Man sei »aus dem Innviertel« sagt man stattdessen, und das hat einen Grund: Am 20. April 1889 wurde hier Adolf Hitler geboren, gescheiterter Kunstmaler, späterer deutscher Diktator und Verantwortlicher für millionenfachen Mord und für den Zweiten Weltkrieg.
Das Label »Hitlers Geburtsstadt« haftet Braunau bis heute an, obwohl die Familie den Ort für immer verließ, als Hitler gerade einmal drei Jahre alt war. Und noch ein schweres Erbe plagt die Stadt und die Republik Österreich in den vergangenen Jahrzehnten: Hitlers Geburtshaus.
Nach Ende des Weltkriegs war darin eine Schule unterbracht, das Haus beheimatete auch schon eine Bücherei und eine Bank. Eine dauerhafte Nutzung blieb aus. Es gibt aber noch einen anderen, gravierenden Aspekt. Das Gebäude mit der unscheinbaren Adresse »Salzburger Vorstadt 15« zieht Neonazis und andere Rechtsextreme an.
Um zu verhindern, dass die heikle Immobilie in falsche Hände kommt oder ein brauner Kultort entsteht, mietete das österreichische Innenministerium das Gebäude in den 1970er Jahren an. Der Staat stellte es einer unverdächtigen Organisation zur Verfügung: Die Lebenshilfe, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, bezog dort Quartier.
Die Eigentümerin des Hauses verhinderte allerdings nötige Umbauarbeiten und so zog die Lebenshilfe im Jahr 2011 aus. Es begann ein jahrelanges Ringen um das Haus und seine adäquate Nutzung.
2016 ging das Altstadtgemäuer an die Republik über – durch Enteignung. Doch die Frage, wie es mit dem Haus weitergeht, war damit noch nicht beantwortet.
Renoviertes Geburtshaus Hitlers: Heikle Immobilie
Foto:Daniel Delang / DER SPIEGEL
Jahrelange Diskussionen folgten, bis schließlich eine Entscheidung fiel. Jetzt ist es eine Polizeistation, ausgerechnet. Kritik gibt es daran reichlich, auch in Braunau selbst. Dort hat sich unser Kollege Jörg Schindler umgehört , der Wien-Korrespondent des SPIEGEL.
In der aktuellen Podcast-Folge von »Inside Austria« erzählt er, warum viele im Ort sich eine andere Nutzung des Hauses gewünscht hätten - und warum Österreichs Polizei eine schwierige Vergangenheit mit dem Nationalsozialismus hat.
Rechtsextremist unerwünscht in Wiener Lokal
Für die radikale Rechte verläuft dieser Sommer bislang eher unschön. Hitzewellen, Dürre und Bränden Europa heim, das aktuelle Extremwetter lässt sich als Folge der Erderwärmung mit populistischen Verrenkungen kaum mehr leugnen. Das bekam auch FPÖ-Chef Herbert Kickl zu spüren. Nach einem Dürre-Posting ging auf ihn ein Shitstorm in sozialen Medien nieder .
Ähnlich unangenehm wurde es für einen österreichischen Aktivisten, der im Vorfeld von FPÖ wie AfD operiert und eng vernetzt ist mit den rechtsextremen »Identitären«: Martin Sellner wurde im Wiener Lokal »Oben« nicht bedient und jammerte im Internet wortreich darüber. Ein »über und über tätowierter« Koch habe ihm erklärt, er bekomme »nichts«, so Sellner. Der Niederösterreicher, der in jungen Jahren Hakenkreuze an eine Synagoge geklebt hat und nun versucht, die Neonaziszene und Rechtsaußenparteien anzunähern, fühlte sich diskriminiert.
Sellners Fans wurden darauf digital aktiv. Das Lokal wurde negativ bewertet, es habe wütende Kommentare bei Instagram gegeben, schreibt unser »Standard«-Kollege Markus Sulzbacher .
Doch dann geriet wiederum Sellner in Rechtsfertigungszwang bei seinem ausländerfeindlichen Anhang: Denn das »Oben« serviert keinen Kaiserschmarrn oder Schweinebraten mit Sauerkraut, sondern thailändische Gerichte. Peinlich für einen, der in Potsdam von der »Remigration« von Millionen Menschen aus Deutschland raunte. Sellner sah sich zu einer Klarstellung genötigt: Die exotische Küche sei nicht von außen erkennbar gewesen, versicherte der Rechtsextremist, er habe nur »inländisches oder zumindest europäisches« Personal angetroffen.
Was die Mitarbeiter von ihm halten, hat er selbst mit einem Handyvideo dokumentiert. Dort sagt einer ihm ins Gesicht: »Verzupf dich!«
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Mit freundlichen Grüßen
Ihre Antonia Rauth,
Redakteurin Podcast, DER STANDARD
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