Ostfriesland? Kennt der Rest von Deutschland doch zur Genüge aus den Jever-Bierspots: Abendsonne über dem Watt, kernige Typen mit grünen Bierflaschen und gaaaaanz langsame Bewegungen. Der Einstieg in die Episode »Ostfriesensturm« aus der vom ZDF in loser Folge gezeigten Reihe »Ostfriesenkrimi« fügt sich bestens ins Entschleunigungsmarketing, mit der sich die Region zwischen Emden und Aurich gern der Welt präsentiert: In leichter Zeitlupe schlendern die Feriengäste entspannt mit ihren Funktionsjacken die Promenade entlang.
Die »Tatort«-Sommerpause ist 2026 besonders lang. Zeit, mal durch die absurd vielen Regio-Krimis von ARD und ZDF zu streifen. Was passiert hinter den hübschen Fassaden der TV-Krimi-Peripherie? Wie wird in der Provinz geraubt und gemordet? Und was sagt das über die Gegenden aus?
Dann Schnitt. Auf einmal ist das Slowmo-Küsten-Panorama menschenleer. Der Filmscore täuscht kurz die Mörder-Mundharmonika von »Spiel mir das Lied vom Tod« an. Und was dann passiert, ist tatsächlich die brutalstmögliche Wendung für einen deutschen TV-Krimi: Corona hält Einzug ins wonnige Badeurlauberparadies.
Blutbäder in akkurat geklinkerten Ferienhäusern
Provokanter geht es nicht, denn kaum waren die Shutdowns vorbei, gab es in den meisten öffentlich-rechtlichen Fernsehredaktionen die klare Ansage: Covid darf kein Thema sein in der fiktionalen Unterhaltung. Die Menschen wollen einfach nicht mehr mit den unangenehmen Erinnerungen an die Pandemie und den gesellschaftlichen Konflikten von damals konfrontiert werden, so die Ansage bei ARD und ZDF.
Die trauen sich also was beim »Ostfriesenkrimi«. Und in der offenbar im Jahr 2020 angesiedelten Episode geht es dann auch gleich weiter Hardcore-mäßig zur Sache: Ein Killer schneidet seinen männlichen Opfern, die sich in heimischer Quarantäne befinden, die Penisse ab, um sie ihnen in den Mund zu stecken. Es fließt ganz schön Blut in den akkurat geklinkerten Ferienhäusern.
