Der Konflikt zwischen Mercedes-Benz und dem Gewerkschaftslager weitet sich aus. Nach SPIEGEL-Informationen ist IndustriALL Global Union, einer der weltweit größten Gewerkschafts-Dachverbände, aus einem gemeinsamen Abkommen mit Mercedes-Benz ausgetreten. Es handelt sich dabei um die »Grundsatzerklärung für soziale Verantwortung und Menschenrechte«.
Das teilte IndustriALL-Generalsekretär Atle Høie in einem Schreiben an Mercedes-CEO Ola Källenius vor wenigen Tagen mit. Das Dokument liegt dem SPIEGEL vor.
Ähnliche Vereinbarungen mit deutschen Industriekonzernen
IndustriALL ist ein weltweiter Zusammenschluss von Industriegewerkschaften. Nach eigenen Angaben hat der Verband rund 550 Mitgliedsorganisationen aus 130 Ländern und vertritt etwa 50 Millionen Beschäftigte. Die größte Mitgliedsorganisation ist die Deutsche IG Metall. Seit Anfang November vergangenen Jahres ist deren Erste Vorsitzende, Christiane Benner, auch Präsidentin von IndustriALL.
Der Verbund oder seine Vorgänger haben ähnliche Vereinbarungen auch mit anderen deutschen Industriekonzernen wie BMW, Volkswagen und Bosch geschlossen. Sie sollen auf einer globalen Ebene Mindeststandards für Arbeits- und Menschenrechte etablieren, die über oftmals schwache nationale Regelungen hinausgehen.
Zu den wichtigsten Aspekten des nun aufgekündigten Abkommens mit Mercedes zählt die ausdrückliche Neutralität des Unternehmens bei gewerkschaftlichen Organisierungsversuchen.
Diesen Punkt soll Mercedes aus Sicht von IndustriALL nicht eingehalten haben. Die Organisation mit Sitz in Genf begründet den drastischen Schritt damit, dass Mercedes »wiederholt zentrale Verpflichtungen der Vereinbarung verletzt« und alle Versuche zurückgewiesen habe, einen Ausweg zu finden.
