SpOn 18.05.2026
09:11 Uhr

(+) re:publica in Berlin: Ein besseres Internet ist möglich


Wenn vom Internet die Rede ist, geht es meist um Verbrechen, Radikalisierung und Manipulation. Das wird der Sache nicht gerecht. Trotzdem muss die Politik endlich beherzter durchgreifen.

(+) re:publica in Berlin: Ein besseres Internet ist möglich

Vielen Menschen gilt das Internet inzwischen als dystopischer Ort. Sie verbinden es vor allem mit Betrug und Missbrauch, politischer Radikalisierung und überbordender Überwachung. Eine No-go-Zone für Kinder und Jugendliche.

ist Redakteur im Team Netzwelt beim SPIEGEL.

Wir sollten uns bisweilen aber daran erinnern: Das Internet ist ein Lebensraum – und zwar ein besonders lebendiger. Bibliotheken stehen hier neben Museen, Nachrichten sind ebenso verfügbar wie Kochrezepte. Kommerz ist zwar allgegenwärtig – ohne Milliardenkonzerne gäbe es kein Streaming und auch kein Cloudcomputing. Aber wer sucht, findet online auch Gemeinschaft, bekommt Hilfe in so ziemlich jeder Lebenslage: bei Haarausfall, kranken Gartenpflanzen oder in juristischen Notlagen. Etwa wenn man einem der vielen Onlinebetrüger auf den Leim gegangen ist.

Kurzum: Das Internet ist eine großartige Erfindung. Es ist derzeit nur leider in keinem guten Zustand.

Das Netz der Milliardäre

Aufgrund der vielen Missstände dreht sich die Debatte zu Social Media vor allem darum, wie man Jugendliche durch Altersbeschränkungen am besten formell aus dem sozialen Raum Internet aussperren kann. Dabei gibt es – anders als häufig suggeriert wird – Alternativen dazu.

Ein erster Schritt: Wir müssen zurück in eine Welt, in der eine große Internetplattform auch mal pleitegehen kann. Etwa wenn sie nicht mehr in die Zeit passt, schlecht geführt wird oder nicht mehr genug Geld einbringt. MySpace ist pleitegegangen, StudiVZ wurde eingestellt, Vine ist verschwunden. Warum soll dies nicht auch für TikTok, Facebook und Instagram möglich sein?

Die zynische Wahrheit ist: Diese Plattformen gehen nicht pleite, weil die reichsten Menschen der Welt das nicht wollen. Multimilliardäre wie Elon Musk und Mark Zuckerberg haben das Sagen, weil sie fast jeden innovativen Wettbewerber aufkaufen, ausbooten oder seine Ideen kopieren können.

Doch ein funktionierender Wettbewerb der Ideen setzt auch einen funktionierenden Wettbewerb der Plattformen voraus. Und wenn eine Plattform hauptsächlich schlechte Laune und Lügen verbreitet, wenn sie keinen Spaß mehr macht, muss sie untergehen. Das Silicon-Valley-Credo »Move fast and break things« – etwa: »Agiere schnell und zerstöre den Status quo« – darf nicht nur für andere gelten.

Regulierung kann funktionieren

Wie kommen wir wieder dahin? Hier ist tatsächlich der Staat gefragt. Diesseits und jenseits des Atlantiks haben die Marktwächter in den vergangenen Jahrzehnten geschlafen. Auch wenn es zwischenzeitlich ernsthafte Versuche gab, die überbordende Macht der Konzerne einzuschränken – wo sind die Erfolge geblieben? Die Großen sind immer größer geworden, sie häufen immer mehr Geld an.

Dabei gibt es Beispiele, wie die Politik die Branche wirksam regulieren kann. Viele missbräuchliche Geschäftsmodelle hingen früher davon ab, Kundinnen und Kunden in kostspielige und langfristige Abos zu treiben. Zwielichtige Geschäftemacher konkurrierten um die hohen Provisionszahlungen und ließen keinen Trick unversucht, um die Menschen auszunehmen. Heute steht auf fast jeder kommerziellen Website ein Button »Abo kündigen«, weil es das Gesetz so vorschreibt. Viele Abzocker mussten sich deshalb andere Erwerbszweige suchen: sinnlose Nahrungsergänzungsmittel etwa oder wertlose Kryptowährungen.

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