Zur Insektenordnung der Lepidoptera gehören zwischen 150.000 und 180.000 Arten. Und damit nicht genug: Jährlich werden vor allem in tropischen Regionen bis zu 700 neue Schmetterlingsarten entdeckt. Bislang ist keine bekannt, die bevorzugt im menschlichen Körper herumflattert. Es gab schon dokumentierte Fälle von Raupen, die versehentlich verschluckt wurden und dann zumindest für kurze Zeit im Magen-Darm-Trakt weiterlebten, sie sind aber eine absolute Ausnahme.
Trotzdem besagt eine gängige Redewendung, dass frisch Verliebte Schmetterlinge im Bauch haben. Woran liegt das? Die Formulierung wird auf die US-amerikanische Schriftstellerin Florence Converse zurückgeführt, die in ihrem 1908 erschienenen Roman »The House of Prayer« über Teenager, die etwas füreinander empfinden, vom »butterfly in the stomach« schrieb.
Dass sich das Sprachbild durchgesetzt hat, dürfte außer mit der Popularität des Buchs auch damit zusammenhängen, dass Converse eine Wahrnehmung beschreibt, die viele Menschen kennen und deren Ursache mittlerweile gut erforscht ist. Denn der Effekt, der mit den Schmetterlingen im Bauch gemeint ist, lässt sich klinisch nachweisen.
Die Vermessung des Bauchgefühls
Im Juni 2024 veröffentlichte ein italienisches Forschungsteam um Giuseppina Porciello und Salvatore Maria Aglioti eine Studie zum Zusammenhang zwischen im Gehirn nachgewiesenen Gefühlen und körperlichen Reaktionen im Verdauungstrakt. Beteiligt waren an den Untersuchungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Psychologie an der Universität La Sapienza in Rom, vom nationalen Kompetenzzentrum der Santa-Lucia-Stiftung sowie vom Zentrum für Bio-, Nano- und Neurowissenschaften des Italienischen Instituts für Technologie in Rom.
Um zu untersuchen, was sich in Magen und Darm tut, wenn Menschen unterschiedlichen Emotionsreizen ausgesetzt werden, verabreichte das Team den Studienteilnehmern, es waren ausschließlich junge Männer, sogenannte Smart Pills. Dabei handelt es sich um ingestible Sensoren, die normalerweise in der Gastroenterologie zum Einsatz kommen und nach dem Verschlucken die Temperatur, den pH-Wert und den Druck im Magen-Darm-Trakt per Bluetooth an einen Computer senden können. Parallel wurden weitere Vitalwerte aufgezeichnet, während die Probanden kurze Videoclips sahen, die verschiedene Gefühle auslösten.
