Den Männern geht es gut. Wenn viele von ihnen an Christi Himmelfahrt wieder auf die Straße gehen, dann nicht, um zu demonstrieren. Es geht an diesem Tag ums Feiern, Grölen, Trinken; darum, laut zu sein und unbequem. Längst gilt der Feiertag in Deutschland als inoffizieller Männertag.
Auch viele Frauen gehen an »ihrem« Frauentag auf die Straße, wie zuletzt am 8. März. Auch sie sind laut und unbequem. Aber sie tun es nicht, um Spaß zu haben. Sie protestieren gegen strukturelle Benachteiligung und Ungleichheit.
Hier Sorglosigkeit, dort Verzweiflung
Wo der Männertag für Männer ein echter Feiertag ist, bleibt der Frauentag für Frauen immer noch ein Kampftag. Sorglosigkeit bei den Männern, Wut bei den Frauen – klarer kann man die Schieflage zwischen den Geschlechtern kaum zeigen. Egal, ob #MeToo, Pelicot, Epstein: Nach kurzer Empörung, wenn überhaupt, endet unser Engagement gegen patriarchale Strukturen oft wieder.
So war es auch im Fall von Collien Fernandes. Im SPIEGEL hatte sie ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vorgeworfen, Fake-Profile von ihr erstellt und gefälschte pornografische Bilder und Videos verschickt zu haben. Nach der Enthüllung empörten sich auch viele Männer, gingen mit für einen besseren Schutz von Frauen vor Gewalt demonstrieren. Doch wenige Wochen später scheint nun schon wieder alles beim Alten. Ein nachhaltiges Engagement für echte Gleichberechtigung gelingt uns Männern anscheinend nicht.
Es gibt zwar die eine oder andere kleine Initiative: In Hamburg planen Männer eine Demo gegen patriarchale Gewalt, »Vatertag reframed« nennen sie ihren Aufruf. Und auch in Berlin ist eine »Männer gegen Gewalt«-Demo geplant. Ein Novum in Deutschland, gut so. Aber da muss noch mehr passieren, zu lange haben Männer weggeschaut, weggehört, weggefühlt.

