Malmendier, 1973 in Köln geboren, ist Professorin für Finanzmarktökonomik an der US-Eliteuniversität Berkeley in Kalifornien. Von September 2022 bis Ende Februar 2026 war sie Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Malmendier ist weiterhin als Politikberaterin in Europa und Deutschland tätig.
SPIEGEL: Frau Malmendier, der Internationale Währungsfonds traut Deutschlands Wirtschaft dieses Jahr nur noch 0,8 Prozent Wachstum zu. Wie ernst ist die Lage?
Malmendier: Es kann sogar noch schlimmer kommen, je nachdem, wie lange der Irankrieg andauert. Insgesamt ist der Zustand der Wirtschaft erschütternd: Nach drei Jahren Rezession und Stagnation geht in Deutschland weiter nichts voran.
Ulrike Malmendier, 1973 in Köln geboren, ist eine der wichtigsten Ökonominnen des Landes und ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrates Wirtschaft. Sie studierte Jura und Volkswirtschaftslehre in Bonn, promovierte dort in Römischem Recht und legte später eine zweite Promotion in Harvard in Wirtschaftswissenschaften ab. Sie machte eine mit Preisen ausgezeichnete Karriere an US-Spitzenuniversitäten, seit 2012 lehrt sie im kalifornischen Berkeley.
SPIEGEL: Die Regierung plant doch Reformen im Gesundheitswesen, bei der Rente und am Arbeitsmarkt.
Malmendier: Die sind überfällig. Es ist dieser Koalition zugutezuhalten, dass sie sagt: Wir gehen das jetzt an, auch wenn es nicht zu großer Beliebtheit führen wird. Aber die Frage muss sein: Wie erzielen wir endlich wieder Wachstum?
