Es ist fast immer das gleiche Video: Eine ukrainische Drohne fliegt durch die Nacht, irgendwo hinter der Todeszone im Frontgebiet. Plötzlich taucht vor der Kamera des unbemannten Geräts ein russisches Flugabwehrsystem auf, und die Drohne stürzt sich darauf. In einer Explosion zerspringt das System in tausend Teile.
Mutmaßlich ukrainischer Drohnenangriff auf russisches Flugabwehrsystem
Aufnahmen wie diese gab es in den vergangenen Wochen Dutzende. Damit wird die ukrainische Jagd auf Russlands Flugabwehr für das Moskauer Militär immer mehr zum Problem. Verfügte die russische Luftverteidigung zu Kriegsbeginn noch über gute Reserven, werden diese langsam knapp. Den Ukrainern ermöglicht dies immer wieder Schläge an sensiblen Abschnitten auf mittlerer und langer Distanz hinter der Front.
Die ukrainische Armee zerstörte im vergangenen Monat fast doppelt so viel Flugabwehr und Radare wie im Oktober vergangenen Jahres. Die erfolgreichen Drohnen- und Raketenangriffe hinter der Front nahmen ebenfalls zu. Mittlerweile soll die Ukraine mit 7000 Drohnen im März sogar mehr unbemannte Flieger nach Russland geschickt haben als umgekehrt. Neben der schwindenden Luftverteidigung auf russischer Seite dürfte dies auch an höheren Produktionskapazitäten und besserer Technik bei den Ukrainern liegen.
Drohnen, Neptun und Flamingos
Besonders schwerwiegend sind die Angriffe der Ukrainer auf der Mittelstrecke. Hier kommen die Drohnen vom Typ FP-2, Hornet und Bulava zum Einsatz. Mittlerweile bewegen sie sich auf den letzten Kilometern weitestgehend autonom, indem sie das Gebiet unter sich mittels Sensoren abtasten und sich anhand einer Karte den Weg ins Ziel suchen.
Die Systeme fliegen Angriffe auf russische Mittelstreckenabwehr wie Tor oder Buk, zerstören gelegentlich aber auch teurere Systeme wie das S-300. Weil die Drohnen mittlerweile bis zu 200 Kilometer hinter die Front fliegen können, entsteht ein großer Risikoabschnitt für die Russen. Zwischen Januar und April gab es insgesamt 600 Drohnenschläge der Ukrainer in den besetzten Gebieten des Landes.
