Gefunden hat der Münchner Journalist und Politikwissenschaftler den Nazi-Nippes in zwei Kartons im Haus seines verstorbenen Onkels, nebst Hunderten Dokumenten und Fotos. Sie zeigen den Großvater, Peter Wiborg, lachend mit gerecktem Arm 1933 bei einem Soldatentag. Oder in trauter Runde mit Viktor Lutze, Stabschef der Sturmabteilung (SA), des paramilitärischen Schlägertrupps, der eng an Hitlers Partei NSDAP angebunden war.
»Ich wusste, dass es Mitglieder der Familie gab, über die nicht gesprochen wurde«, sagt Bönte. »Aber dass wir einen Täter in der Familie hatten, war für mich ein Schock.«
War Opa Nazi?
Die digitale NSDAP-Mitgliederkartei entlarvt deutsche Familienlügen. Aus Vorfahren werden Täter und Mitläufer, ein Land muss seine Vergangenheit neu prüfen.
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Der 67-jährige Bönte, lange in leitenden Funktionen beim Bayerischen Rundfunk tätig, hat sich auf die Suche begeben. Seine Recherche erscheint im Sommer in einem Buch mit dem Titel »Die Vergangenheit in mir«.
Nach einer langen Suche in Archiven weiß Bönte nun, dass Opa Peter Karriere in der SA machte. In Rheine nördlich von Münster stieg er zum zweiten Mann in dem Verband auf. Am 9. November 1938, als die Nazis überall Synagogen zerstörten, war es Großvater Wiborg, der die SA-Männer in Rheine zusammentrommelte und das Benzin organisierte. Mit einem Beil schlug er die Eingangstür zum Gotteshaus ein, so konnte es Bönte in Gerichtsakten nachlesen. Der SA-Trupp zündete das Mobiliar an, setzte die Synagoge in Flammen.
Der Terror an diesem Tag war ein Startschuss für den Holocaust. »Und mein Großvater war dabei«, sagt Bönte.