Dan Lehman ist gescheitert. Als Mann, weil er jeweils genau die Frau begehrt, mit der er gerade nicht zusammen ist. Als Politiker, weil er als Linker mit großen Idealen gestartet ist und nun nur noch ein abgewählter Ex-Staatschef ist. Und sogar als Teilnehmer von Abendgesellschaften, weil das fröhliche gemeinsame Anstoßen bei ihm in eine alles dominierende Alkoholsucht gekippt ist.
In ihrem neuen Roman »Die Liebeshungrigen« erzählt die französische Autorin Karine Tuil anhand des abgehalfterten Lehman von einer Gesellschaft, in der zwar noch mit großen Worten hantiert wird (Feminismus! Gerechtigkeit!), in der aber jede und jeder nur noch aufs eigene, kleine Fortkommen schaut. Dan Lehman bekommt von ihr dabei die maximale Fallhöhe aufgebürdet: Er war mal Präsident der Republik, nun verstaubt seine Karl-Marx-Biografie in den Buchläden und in Internet und Feuilleton machen sich die Leute darüber lustig, dass er in seinen Revolutionsroman eine ungelenke Sexszene eingebaut hat.
