Um damit gleich aufzuräumen: Zum Koksen hat hier wirklich keiner Zeit. Denn jeden Morgen klingen um kurz vor sieben in den Hotelzimmern und Ferienwohnungen in ganz Cannes die Handywecker. Nun wälzen sich Tausende Filmkritikerinnen, Produzenten, Kinoliebhaber und Agentinnen stöhnend aus ihren Betten und greifen nach ihren Laptops. Denn um Punkt sieben Uhr öffnet die Reservierungswebseite, und um 7.01 Uhr sind alle Tickets weg, zumindest die interessanten. Danach kann man auch gleich aufstehen, die erste Vorführung im Festival-Palais beginnt um halb neun.
Außerdem möchte man nicht unbedingt länger als nötig im Zimmer bleiben, in dem man während der Zeit hier schlafen muss. Die imposanten und altehrwürdigen Grand Hotels, die hier in Cannes die Croisette säumen, sind schon in der Nebensaison unerschwinglich. Während des Festivals werden hier die sogenannten »Talents« untergebracht – die Schauspieler und Schauspielerinnen, mittlerweile aber auch immer öfter Influencerinnen und Markenbotschafterinnen. Von hier werden die Talente dann in schwarzen Limousinen abgeholt und zu den Premieren gefahren. Klingt aber auch besser, als es ist: Obwohl die Strecke vom »Majestic« zum Palais zu Fuß in zwei Minuten geschafft wäre, muss man mit dem Auto zum roten Teppich gebracht werden. Was bedeutet, dass man schon mal eine Stunde in der Limousine sitzt, um 200 Meter zu überwinden.
