Es endete, wie es angefangen hatte: In der Abschlusszeremonie am Samstagabend beschworen wieder viele Filmmenschen in ihren besten Klamotten die Bedeutung des Kinos für den »Widerstand« in diesen schweren Zeiten. Die Goldene Palme bekam mit Cristian Mungius »Fjord« dann aber ein Film, der sich einfachen Gewissheiten konsequent verweigert. Er habe einen Film machen wollen, der sich für Empathie in einer polarisierten Welt einsetzt, sagte der rumänische Regisseur in seiner Dankesrede. »Ich bin nicht sehr stolz auf das, was wir unseren Kindern hinterlassen«, warnte er.
Mungiu meinte die Welt als Ganzes. Aber was hinterlässt Cannes? Welche Erkenntnisse bleiben von diesen zwölf Tagen, den Tausenden Stunden Kinovorführungen und den Abertausenden Trippelschritten über den roten Teppich? Diese hier.
1. Kein Hollywood ist auch keine Lösung
Schon im Vorfeld wurde viel darüber geredet, dass Cannes in diesem Jahr ganz ohne große Premieren aus Hollywood auskommen musste. Die Hoffnung, tiefsinnige Autorenfilme aus dem Rest der Welt könnten dafür mehr Raum bekommen, hat sich allerdings auch nur teilweise erfüllt. Zwar sind einige sogenannte Auteurs ins Rennen gegangen, sie haben nur leider keine wirklich guten Filme mitgebracht. Favoriten wie Pedro Almodóvar oder Asghar Farhadi haben die Erwartungen der meisten Kritiker enttäuscht, auch Ryūsuke Hamaguchis »All of a Sudden« hat zwar manche Zuschauer begeistert, aber auch viele einschlafen lassen.
Tatsächlich gab es in dieser Ausgabe kaum Filme, die wirklich Aufsehen erregten – Pawel Pawlikowskis »Vaterland« mit Sandra Hüller und Hanns Zischler kam dem vielleicht noch am nächsten, gewann am Ende dann aber auch nur den Regiepreis. Diesen inoffiziellen dritten Platz musste sich Pawlikowski auch noch mit den Spaniern Javier Calvo und Javier Ambrossi für »La bola negra« teilen.
