Linda Lampenius reißt den Bogen virtuos über die Saiten ihrer Geige, vor ihr lodert Feuer in einem riesigen Bilderrahmen, als ein Mann nach der Schleppe ihres Kleides greift. Vorsichtig faltet er den glänzenden Stoff zusammen, harrt noch einige Takte auf dem Boden kauernd aus, dann rennen er und die Musikerin gemeinsam über die Bühne. Vier Sekunden haben sie Zeit, bis Lampenius an ihrer neuen Position sein muss, auf zwei silbernen Stühlen stehend.
Der Mann hingegen biegt nach dem Sprint sofort in den dunklen Teil der Bühne ab, wirft Lampenius' Schleppe in Richtung Windmaschine und verschwindet so, wie er gekommen ist – für die Zuschauer unsichtbar.
Die Szene stammt aus dem ESC-Finale in Wien, wo Linda Lampenius gemeinsam mit Sänger Pete Parkkonen für Finnland angetreten war. Mit »Liekinheitin«, zu Deutsch »Flammenwerfer«, belegten sie am Ende Platz sechs, lieferten aber eine der beeindruckendsten Performances des Abends. Natürlich lag das auch am titelgebenden Feuer, das überall auf der Bühne aufloderte. Und auch daran, dass Lampenius dank einer Sonderregelung live auf der Bühne Geige spielen durfte.
Vor allem beeindruckte die Show, weil sie für die Fernsehkameras perfekt konzipiert und geprobt worden war.
