Ab und zu, wenn er durch die Straßen Madrids schlendert, reist Antonio Ledezma zurück in die Heimat. Da sind die »tequeños«, panierte Käsestäbchen, außen knusprig und innen cremig, wie es sich gehört. Da ist der Akzent der Menschen, die das spanische Z lieber säuseln als lispeln. Und da sind die Landsleute, die stehen bleiben und nach einem Selfie fragen. Wie damals in Caracas, der venezolanischen Hauptstadt, die er einst regierte.
Ledezma empfängt an einem sonnigen Vormittag im Zentrum von Madrid. Am Nebentisch des Hotelcafés schaufeln sich die Gäste Rührei auf die Teller. Er müsse ein bisschen vorsichtig sein, sagt Ledezma entschuldigend. Vor ein paar Wochen habe ein Fernsehsender ihn in einer teuren Suite interviewt. In Venezuela sei das gar nicht gut angekommen. Seht her, hieß es, der Mann lasse es sich gut gehen in Madrid.
Hier, im Barrio Salamanca, auf den teuersten Quadratmetern der spanischen Hauptstadt, reihen sich luxuriöse Loewe-Läden an exklusive Bulgari-Boutiquen. Früher lebte in Salamanca die kastilische Elite. Heute sind es reiche Einwanderer, vor allem aus Venezuela. Die Spanier haben das Viertel kurzerhand umbenannt. Im Volksmund heißt es nun Little Caracas.
Ledezma, ein 70-jähriger Mann mit schütterem Haar und randloser Brille, hat in seinem Leben mehr erlebt als die meisten Politiker. Erst kämpfte er gegen den linken Machthaber Hugo Chávez, dann gegen Nachfolger Nicolás Maduro. Ledezma war Senator und Abgeordneter, er wurde entführt und eingesperrt. Nun lebt er in Spanien. Wie 440.000 andere Venezolaner. »Manchmal«, sagt er, »rufen sie mich hier noch immer Bürgermeister.«
