Für drei Stunden und 52 Minuten war diese Veranstaltung der vielleicht unpolitischste Eurovison Song Contest (ESC) seit langer Zeit. Noam Bettan, der Sänger aus Ra’anana nördlich von Tel Aviv, lag nach dem Voting der nationalen Jurys für »Michelle« mit nur 123 Punkten auf einem alles andere als vielversprechenden achten Platz. Dann aber kam das Publikumsvoting. Mit 220 Punkten für Israel ging das Land in Führung.
Und das veränderte alles.
Bis dahin hatten die Musik, die Show, die Stimmung in Wien wie in der Halle die vorausgegangenen Querelen völlig verdrängt. Zwar waren zuvor fünf Länder aus Protest gegen die Teilnahme von Israel abgesprungen. Gefühlt hätten Island, Irland, Spanien, Slowenien und die Niederlande ebenso gut in einem der beiden Halbfinals ausgeschieden sein können.
Womöglich hatte ihre Abwesenheit auch ihr Gutes. Auf höchster Ebene war das politische Statement gesetzt. Auf persönlicher Ebene war damit die moralische Notwendigkeit aufgehoben, im Vorfeld auf eigene Faust gegen eine Kollegin giften zu müssen. Was 2025 noch zu hässlichen Zitaten und Tumult geführt hatte, blieb diesmal also weitgehend vor den Toren der Stadthalle.
Das war der ESC in Wien: Alle Höhepunkte (und Ausrutscher) zum Nachlesen hier im Newsblog
In der Halle – und vor rund 170 Millionen Zuschauern in aller Welt – konnten Victoria Swarovski und Michael Ostrowski also unbefangen durch einen Abend führen, an dem auch ESC-Verächter hier und da ihre musikalische Freude haben konnten.
