Es beginnt mit dem Ausruf »Hu, ha! Hu, ha!«, dann geht es ums Reiten, Wodkasaufen und Dauervögeln. Sieben Kinder soll Dschingis Khan pro Nacht gezeugt haben können, heißt es in dem bekannten Lied der gleichnamigen Schlagercombo. Konkrete Hinweise darauf, dass der mongolische Herrscher und seine Krieger im 13. Jahrhundert unzählige Menschen jeden Alters massakrierten, aushungerten und vergewaltigten, sucht man in Strophen und Refrain vergebens. Womöglich hätte das dem Erfolg des von Ralph Siegel komponierten Songs auch im Wege gestanden. Als deutscher Beitrag des Eurovision Song Contest gelangte der Hit 1979 auf Platz vier.
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Die Tanznummer, die die Band in neuer Besetzung noch immer auf deutschen Bühnen spielt, ist ein zynisches Machwerk in der deutschen Musikgeschichte. Es verharmlost einen Massenmörder – und verspottet dessen wohl etwa 30 Millionen Opfer. Neben Schlächtern wie Adolf Hitler, Josef Stalin, Mao Zedong oder Pol Pot gehört Dschingis Khan zu den Massenmördern der Weltgeschichte. In Deutschland ist es allerdings so gut wie nicht bekannt, welche Menschheitsverbrechen der Tyrann aus dem Mittelalter und seine Erben begangen. Dabei hinterließen die »Tartaren«, wie die Krieger aus dem Osten zu ihrer Zeit genannt wurden, in Europa zahlreiche Spuren. Es fehlte nicht viel, und sie hätten auch den Ort überrannt, aus dem später die deutsche Hauptstadt wurde: Berlin.
Ein Popstar des 13. Jahrhunderts
Zum 800. Todestag des Khans will der dortige Landesarchäologe Matthias Wemhoff die Wissenslücken nun schließen. Ende Mai erscheint »Dschingis Khan – der Fürst des Unermesslichen«, ein Buch, das er gemeinsam mit der Autorin Gisela Graichen verfasst hat. Im Herbst dann eröffnet in der Berliner James-Simon-Galerie die von Wemhoff verantwortete Ausstellung »Dschingis Khan und die Welt der Mongolen« . Präsentiert werden zahlreiche wertvolle Leihgaben aus der Mongolei, darunter Objekte aus Gräbern und dem damaligen Herrschersitz Karakorum, die bisher noch nie öffentlich zu sehen waren und teilweise unter Mithilfe von Bonner Archäologen ausgegraben wurden.
»Wir wollen zeigen, dass Dschingis Khan keine Figur aus einem Märchen oder Schlager ist, sondern ein realer Herrscher, der das größte Landreich der Geschichte begründete«, sagt Wemhoff, der mehrmals durch die Mongolei reiste, um die Ausstellung vorzubereiten.
