Am Abend des 5. November 2024 sitzt Tucker Carlson an einem kleinen Tischchen vor seinem Mikrofon, in Mar-a-Lago, Florida, im Hintergrund ein Ölgemälde des jungen Donald Trump. Carlson trägt, was er fast immer trägt, ein marineblaues Sakko mit gestreifter Krawatte. Drei Stunden lang wird er hier sitzen, fläschchenweise Fiji-Wasser trinken und live podcasten. Es ist die Nacht von Trumps Wiederwahl.
Nebenan, im Ballsaal, feiert der zukünftige Wahlsieger bei Champagner und Beef Wellington. Zu Carlson kommt, über den Abend verteilt, der innere Kreis der Trumpisten. Marjorie Taylor Greene, damals noch Trumps Cheerleaderin im Parlament. Robert F. Kennedy Jr. schaut vorbei, Elon Musk mit Sohn X. Tucker Carlson sagt: »Das ist das großartigste Comeback, das ich je gesehen habe. Lasst uns feiern gehen.«
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Ostermontag, 6. April 2026. Tucker Carlson sitzt in seinem Studio, einer umgebauten Garage in Maine, und liest Trumps Truth-Social-Post vor, in dem er den Iranern mit der Zerstörung ihrer Infrastruktur droht und fordert, endlich die »fuckin’« Straße von Hormus zu öffnen. Carlson nimmt die Brille ab, Blick in die Kamera: »Was glauben Sie, wer Sie sind? Sie twittern am Ostermorgen das F-Wort. Wie können Sie es wagen, so zum Land zu sprechen?«
Die Nachricht des Präsidenten, sagt Tucker Carlson, sei »in jeder Hinsicht abscheulich«. »Wir können das nicht unterstützen.«
Es ist das öffentliche Ende einer Verbindung zweier Männer, die jahrelang voneinander profitiert haben. Carlsons Wut wirkt nicht gespielt. Trump habe sein Wahlversprechen gebrochen, sich zuvorderst um die Amerikaner zu kümmern. Er habe seine Prinzipien verraten. Dass der America-First-Präsident an der Seite des israelischen Premiers Benjamin Netanyahu in einen Nahostkrieg taumelt – das war nicht vorgesehen.
Trump war mit Carlsons Hilfe wieder zum mächtigsten Mann der Welt geworden. Carlson, geschasst vom TV-Sender Fox, wurde zu seinem Rasputin, seinem Einflüsterer. Dass Trump JD Vance zum Vizepräsidenten machte, wird dem Einfluss Carlsons zugeschrieben; Vance und er sind befreundet. Sein Podcast, die »Tucker Carlson Show« gilt als Sprachrohr von MAGA, Trumps »Make America Great Again«-Bewegung.
