SpOn 21.05.2026
14:00 Uhr

(+) Die Linke: Was hinter dem Diätenstreit in der Fraktion steckt


Die Parteiführung will, dass die Abgeordneten ihre Bezüge auf die Höhe des Durchschnittslohns deckeln. Bei vielen in der Bundestagsfraktion kommt das nicht gut an, manch einer sieht sich einem üblen Verdacht ausgesetzt.

(+) Die Linke: Was hinter dem Diätenstreit in der Fraktion steckt

Die Linkenvorsitzende Ines Schwerdtner war kürzlich in Österreich. In Graz besuchte sie einen Info-Stand der KPÖ, der Kommunistischen Partei Österreichs. Die KPÖ ist für Schwerdtner ein Vorbild, besonders in einem Punkt. Die Genossen dort begrenzen ihr Gehalt auf maximal 2400 Euro im Monat.

Schon 2024, kurz bevor Schwerdtner mit Jan van Aken Parteivorsitzende der Linken wurde, schwärmte sie von diesem Gehaltsdeckel. Seitdem wirbt Schwerdtner für ein ähnliches Modell bei ihren Parteigenossen. Sie und van Aken erklärten nach ihrer Wahl, ihre Gehälter auf Höhe des Nettodurchschnittslohns bei 2850 Euro zu begrenzen und den Rest zu spenden. »Abgehobene Gehälter führen zu abgehobener Politik«, lautet ihr Mantra.

DER SPIEGEL 22/2026

Urlaub in der Krise

Der Irankrieg macht Fernreisen unsicher und erhöht die Treibstoffkosten. Günstig in die Ferien: Geht das in diesem Sommer noch?

Lesen Sie unsere Titelgeschichte, weitere Hintergründe und Analysen im digitalen SPIEGEL.

Im vergangenen Jahr verabredete die Partei, dass sie das Thema angehen will. Konzepte für eine Gehaltsbegrenzung sollten entwickelt werden, bis spätestens 2027 soll die Satzung der Bundespartei entsprechend geändert werden, so steht es in einem Leitantrag.

Aber Schwerdtner und van Aken geht das offenbar zu langsam. Der Parteivorstand hat Mitte April einen Beschluss mit dem Titel »Diätenbegrenzung« vorgelegt, über den der Parteitag in Potsdam im Juni abstimmen soll. Die Abgeordneten sollen sich dazu verpflichten, ihre monatlichen Diätenbezüge von derzeit rund 11.833 Euro auf ein durchschnittliches Arbeitnehmerbrutto in Höhe von 5370 Euro zu begrenzen. Was darüber liegt, sollen sie abgeben an einen »Sozialfonds« für Menschen in Not. Pro Kind und pflegebedürftigem Angehörigen sollen die Parlamentarier 350 Euro netto zusätzlich behalten dürfen. Bei »außerordentlichen finanziellen Belastungen« könnten Ausnahmen vereinbart werden. Die Regelung solle bereits für die derzeitigen Bundestags- und Europaabgeordneten gelten.

Eine »Neiddebatte«?

Der Vorstoß der Parteispitze kam in weiten Teilen der Linkenfraktion schlecht an, nun herrscht Streit. Briefe gehen hin und her, ein Landesvorstand fordert in einem eigenen Beschluss, den Antrag des Parteivorstands zu ersetzen. Linkenabgeordnete holen sich juristische Expertise ein, um gegen ihre Führung zu argumentieren.

Viele Linke sagen von sich, sie würden auf Geld und Materielles nicht viel geben. Woher rührt dann die Härte dieser Auseinandersetzung?

Einige fühlen sich überrumpelt und dem Verdacht ausgesetzt, sich am Mandat zu bereichern. »Es wird von den Parteivorsitzenden eine Neiddebatte aufgemacht, dabei behält kaum ein Linkenabgeordneter mehr als 4000 Euro netto im Monat, alle spenden und geben viel an die Partei ab«, sagt Sascha Wagner, Vorsitzender des Fraktionsvereins, in den die Linken im Bundestag die automatischen Diätenerhöhungen der vergangenen Jahre überweisen. Zusätzlich zahlen alle Linkenabgeordneten eine sogenannte Mandatsträgerabgabe von derzeit rund 1800 Euro an die Bundespartei, etwa um Wahlkämpfe zu finanzieren. Damit leisten sie mehr Abgaben als die Abgeordneten der meisten anderen Fraktionen.

Diesen Artikel weiterlesen mit SPIEGEL+

Sie haben bereits ein Digital-Abo? Zum Login

SPIEGEL plus Nur für Neukunden
Freier Zugriff auf alle S+-Artikel auf SPIEGEL.de und in der App
Wöchentlich die digitale Ausgabe des SPIEGEL inkl. E-Paper (PDF), Digital-Archiv und S+-Newsletter
Jederzeit kündigen
SPIEGEL plus 52 Wochen 25 % sparen
Freier Zugriff auf alle S+-Artikel auf SPIEGEL.de und in der App
Wöchentlich die digitale Ausgabe des SPIEGEL inkl. E-Paper (PDF), Digital-Archiv und S+-Newsletter
52 Wochen rabattierte Laufzeit

Sie haben bereits ein Print-Abo? Hier rabattiert Digital-Zugang bestellen

Jetzt Artikel freischalten:

Sie haben bereits ein Digital-Abo?

SPIEGEL plus
Zugang zu allen Artikeln in der App und auf SPIEGEL.de
Wöchentliche Ausgabe des SPIEGEL als E-Paper
Jederzeit kündbar
SPIEGEL plus
Zugang zu allen Artikeln in der App und auf SPIEGEL.de
Wöchentliche Ausgabe des SPIEGEL als E-Paper
Jederzeit kündbar

SPIEGEL+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit ¤ ein Jahr zum Preis von zurzeit ¤. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um SPIEGEL+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem SPIEGEL-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung.