Der SPIEGEL hat Millionen Mitgliedskarten der NSDAP digital aufbereitet. Nicht nur Leserinnen und Leser suchen seitdem in dem Archiv nach Verwandten, die der Partei beigetreten waren. Auch deutsche Politikerinnen und Politiker, ob noch im Bundestag oder im Ruhestand, beschäftigt die Vergangenheit ihrer Familien.
Der SPIEGEL hat eine Reihe von ihnen angefragt. Manche fanden keine Angehörigen in der Kartei, andere schon, wollen aber Recherche und Ergebnisse nicht in den Medien verbreiten, unter anderem auch mit Rücksicht auf andere Familienmitglieder.
Drei Politiker haben sich entschieden, über ihre Erfahrungen bei der Suche zu sprechen – die frühere Bundesverbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne), der ehemalige Bundesgesundheitsminister und heutige SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach sowie der Bundestagsvizepräsident und ehemalige Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).
»Es war kein Schock, aber es hat mich schon getroffen und beschäftigt mich seitdem«, sagt Renate Künast über das Ergebnis ihrer Suche. Die Grünenpolitikerin und Juristin, die seit dem Frühjahr 2025 nicht mehr dem Bundestag angehört, fand erst jetzt heraus, dass ihr Vater in der NSDAP war.
Wir dokumentieren die vom SPIEGEL aufgezeichneten und von den Betroffenen autorisierten Stellungnahmen in Gänze.
