»Das Kino ist schon immer ein Akt des Widerstandes gewesen, weil wir Geschichten erzählen«, rief Jane Fonda bei der Eröffnungszeremonie der Filmfestspiele in Cannes – und wedelte dabei mit der geballten Faust, dass die Pailletten an ihrem schwarzen Gucci-Kleid nur so zitterten. Zuvor hatte schon die Moderatorin Eye Haïdara die »Zuschauer überall« begrüßt – beziehungsweise, schob sie nach, nur da, »wo das Internet nicht gekappt wurde, wo die künstliche Intelligenz noch nicht die Realität ersetzt hat«. Und auch sie rief laut: »Willkommen an alle, die versucht haben, Widerstand zu leisten.«
Haïdaras KI-Kritik war dabei das wohl politischste Statement an diesem Abend – politisch deshalb, weil Meta in diesem Jahr groß als Sponsor eingestiegen ist.
Die Kritik an KI und der Appell an das menschengemachte Kino sollte sich auch weiter durch den Eröffnungstag ziehen. Ansonsten blieb zu Beginn der Filmfestspiele aber denkbar vage, worin der beschworene Widerstand eigentlich bestehen könnte. Umso vollmundiger bekannte man sich allerseits zur verbindenden Kraft des Kinos. »Es ist einfach eine Freude, vom Kino, von der Liebe zum Kino umgeben zu sein«, sagt Jurymitglied Demi Moore bereits bei der Pressekonferenz der Jury am Dienstagnachmittag. Die meisten ihrer Co-Juroren um den Jurypräsidenten Park Chan-wook taten es ihr nach. Eine Ausnahme bildete nur der schottische Regisseur Paul Laverty, der zuerst vage von »dunklen Zeiten« und dann sehr konkret vom »Genozid in Gaza« sprach – was sonst nicht weiter kommentiert wurde.
Harmonie ist in diesem Jahr an der Croisette besonders wichtig, und zwar nicht nur, um Shitstorms oder politisch-toxische Debatten zu vermeiden. Das Festival und die Branche insgesamt stehen unter Druck: Die großen Hollywoodstudios haben ihre Budgets für Festivals heruntergefahren, über allem hängt die Frage, was die künstliche Intelligenz für kreative Berufe bedeutet. In diesem 79. Jahrgang feiert kein einziger großer Hollywoodfilm hier Premiere – was sich auch direkt auf die Star-Dichte auf dem roten Teppich vor dem Palais des Festivals niederschlägt.
Spitze gegen KI
Natürlich drängten sich am Dienstag trotzdem Hunderte Schaulustige um die Absperrungen, um einen Blick auf die Gäste der Eröffnungsfeier zu erwischen. Durch die Touristen in Flip-Flops und Shorts staksten immer wieder Frauen in Abendkleidern und Männer im Smoking. Manche davon waren tatsächlich zur ultra-exklusiven Eröffnung eingeladen. Viele hatten sich aber auch einfach in der Hoffnung auf ein Ticket-Wunder in letzter Minute vorsorglich in Schale geworfen.
Wer wie viel Zeit auf dieser Treppe verbringen darf und ob und wie lange man oben von Cannes-Präsidentin Iris Knobloch begrüßt wird, ist in Cannes der ultimative Gradmesser für Ruhm. Gewinner war am Dienstagabend der Regisseur des Festivals Peter Jackson, der wie ein fröhlicher, rundlicher Onkel im Smoking minutenlang auf der Treppe herumstreunern und den Paparazzi winken durfte.
