SpOn 17.05.2026
11:16 Uhr

(+) Buckelwal tot vor Anholt: Bei einem Herzinfarkt ruft keiner zuerst den besten Freund an


Wochenlang investierten Forscher, Politiker und Bürger vergeblich Zeit, Nerven und viel Geld in Rettungsversuche für einen todgeweihten Wal. Die Aktion ist Symptom einer Zeit, in der gefühlte Wahrheiten zum Maßstab werden.

(+) Buckelwal tot vor Anholt: Bei einem Herzinfarkt ruft keiner zuerst den besten Freund an

Tot wäre der Buckelwal jetzt so oder so. Ob man ihn auf seiner Sandbank vor Poel liegen gelassen oder ihn, wie geschehen, in einem Lastkahn Richtung Nordsee transportiert hätte – das Ergebnis wäre dasselbe gewesen. Und doch spielt es eine Rolle, wie das Tier gestorben ist.

Über mehr als anderthalb Monate hat der Wal Wissenschaftler, Politiker und Bürger beschäftigt. Viele wollten es so. Und versenkten so Zeit, Nerven und viel Geld im Meer.

Umweltministerien berieten über Rettungsmaßnahmen, Anwälte prüften Zuständigkeiten und Handlungsspielräume. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) verbrachte mehrere Tage beim Wal und sogar mal eine Nacht. Gerichte erhielten Anträge gegen und für Rettungsprojekte. Forschungseinrichtungen erstellten Gutachten, bearbeiteten Anfragen, gaben Mitteilungen heraus. Bürger saßen wochenlang vor Livestreams, manche fielen auf unseriöse Spendenaufrufe herein .

Toter Buckelwal vor der dänischen Insel Anholt: Man hätte wissen können, dass die Rettungsversuche für den Buckelwal vergeblich sein würden

Toter Buckelwal vor der dänischen Insel Anholt: Man hätte wissen können, dass die Rettungsversuche für den Buckelwal vergeblich sein würden

Foto: Jonas Walzberg / dpa

Kein Herz für Schweinswale?

Karin Walter-Mommert, eine der Geldgeberinnen der privaten Walinitiative, schätzt allein die Kosten für deren Rettungsversuche auf ungefähr 1,5 Millionen Euro – die Schiffskosten für die Schlepper des Waltransports Richtung Nordsee noch nicht eingerechnet. Was der restliche Rummel um den Wal gekostet hat, lässt sich schwer beziffern.

Fest steht: Zeit, Nerven und Geld wären an anderen Stellen besser investiert gewesen. Zum Beispiel für den Erhalt der verbliebenen 400 bis 500 Schweinswale in der zentralen Ostsee, die als akut vom Aussterben bedroht  gelten – und für die Backhaus weit weniger Mitleid  aufbringt als für den Buckelwal.

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