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09.07.2026
09:46 Uhr
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Als WM-Reporter zwischen den USA und Kanada zu pendeln, bedeutet auch, eine Menge über die Unterschiede dieser beiden Nachbarn zu lernen. Das Fazit zum Abschied: Im Norden ist fast alles besser.

Das Leben in Kanada während dieser WM war ein Highway voller schöner Begegnungen mit freundlichen Menschen. Jon Blacker/The Canadian Press via AP
Mit einer Halftime-Show, wie sie kaum passender sein könnte, verabschiedete sich Kanada aus dieser Weltmeisterschaft. Tom Cochrane trat während der Pause des Achtelfinales zwischen Kolumbien und der Schweiz in Vancouver auf, was in etwa so ist, als würde in Deutschland Herbert Grönemeyer zum Abschied singen. Es war ein dezenter Beitrag: Eine kleine Bühne unterhalb der Tribüne bekam Cochrane, 73, im BC Place, ein bisschen Pyrotechnik, aber er wirkt ohnehin durch seinen bekanntesten Song: „Life Is a Highway“ ist eine kanadische Hymne, den Text kennt jeder in diesem weitläufigen Land, in dem man schöne Stunden im Auto verbringen kann. Zumindest, wenn man nicht gerade ausreisen muss.
Das Schicksal der Reisenden im Nordwest-Pazifik-Raum, in dem sich Vancouver auf kanadischer und Seattle auf US-amerikanischer Seite die Spiele teilten, war auch eines von regelmäßigen Grenzkontrollen, die von sehr unterschiedlichen Gastgebern erzählten.
Auf dem Weg in Richtung Süden erwartete einen der berühmte, raue Ton des US-Grenzschutzes, der auch Journalisten mit einem vorab errungenen Visum unterschwellig verdächtigt, sich nicht an die Regeln zu halten. Die gefährlichsten „substances“, die dieser WM-Reporter auf all seinen Wegen mit sich führt, sind Ibuprofen und Nasenspray, was die Kontrolleure jedoch nicht davon abhält, mehrfach gezielt nachzufragen. Eine latente Nervosität ist in solchen Momenten spürbar, insbesondere angesichts der Tatsache, dass US-Präsident Donald Trump spätestens seit dem Sechzehntelfinale auch Subjekt der Geschichten der beteiligten Reporter war, die bestimmt irgendeine gemeine künstliche Intelligenz in einer US-Behörde gelesen hat. Das alles führt zu vorsichtigen „Yes, Sir“ und „No, Sir“. Und einem erleichterten „Good day, Sir“ bei Erlaubnis zur Weiterfahrt.
Anders die Szenerie bei der Rückfahrt. Am späten Abend, nach dem Sechzehntelfinale Belgien gegen Senegal etwa, geht es in der Unterhaltung mit dem kanadischen Grenzschutz auch um den Reporter-Job, aber aus anderen Gründen. Minutenlang führt ein kanadischer Beamter eine Konversation über das Spiel, die Umstände, die Rolle, die die Reporter dabei hatten. Kein einziges „Sir“ fällt in dieser Zeit, stattdessen geht es um das späte Comeback der Belgier und die Frage, welche Spiele nun in Vancouver anstehen. Gerade, als zu befürchten ist, dass der Grenzschutz auch noch die Abseitsregel erklärt bekommen möchte, bei so viel Begeisterung für die neu entdeckte Leidenschaft Fußball, wünscht er viel Spaß bei der Weiterfahrt, nun wieder mit Tom Cochrane als Soundtrack.
Das Leben in Kanada während dieser WM, es war tatsächlich ein Highway: voller schöner Begegnungen mit freundlichen Gastgebern, die sich stets bei ihren Busfahrern bedanken, wenn sie aussteigen und so ansteckend oft „sorry“ sagen, dass man sich selbst irgendwann beim ständigen Entschuldigen ertappt. Ein Highway war es, der einen manchmal in die USA führte, wo vielleicht die Fast-Food-Läden besser sind, aber die menschliche Wärme nicht mit dem nördlichen Nachbarn mithalten kann.
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