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02.05.2026
19:20 Uhr
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Verteidigungsminister Pistorius nennt die Ankündigung der USA, Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen, „absehbar“, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Schweitzer ist besorgt.

Ein Flugzeug der US-Armee auf dem Militärstützpunkt Ramstein. (Archivfoto) Heiko Becker/REUTERS
Am Freitagabend kündigte das US-Verteidigungsministerium an, 5000 amerikanische Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen. Der Abzug solle binnen sechs bis zwölf
Monaten abgeschlossen sein. Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86 000 Soldaten in Europa stationiert – davon etwa 39 000 in Deutschland.
Verteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnet die US-Ankündigung zum Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland als absehbar. „Dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würden, war absehbar“, sagte Pistorius am Samstag. Er verwies darauf, dass die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und in Deutschland sowohl im europäischen als auch im amerikanischen Interesse sei. „Mit den Amerikanern arbeiten wir eng zusammen, in Ramstein, in Grafenwöhr, in Frankfurt und anderswo, für Frieden und Sicherheit in Europa, für die Ukraine und zur gemeinsamen Abschreckung“, teilte Pistorius mit. „Die USA bündeln hier aber auch andere militärische Funktionen, etwa für ihre sicherheitspolitischen Interessen in Afrika und im Mittleren Osten.“
Etwa 39 000 US-Soldaten sind in Deutschland stationiert. Mindestens 5000 will das Pentagon nun abziehen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Die US-Ankündigung mache auch klar, dass die Nato „europäischer“ werden müsse, sagte der Verteidigungsminister. Deutschland sei auf einem guten Weg mit dem Aufwuchs der Bundeswehr und den großen Waffenbestellungen. „Bei allen künftigen Aufgaben sprechen wir uns eng mit unseren Alliierten ab, zum Beispiel im Rahmen der Group of Five, also mit Großbritannien, Frankreich, Polen und Italien“, betonte der SPD-Politiker.
Die Nato versucht, Einzelheiten zu dem angekündigten US-Truppenabzug zu erfahren. „Wir arbeiten mit den USA zusammen, um die Details ihrer Entscheidung zur Truppenpräsenz in Deutschland zu ergründen“, teilte eine Nato-Sprecherin auf der Plattform X mit. Die Anpassung unterstreiche aber die Notwendigkeit, dass Europa sich stärker im Verteidigungsbündnis engagiere, verstärkt in die Verteidigung investiere und einen größeren Teil der Verantwortung für die gemeinsame Sicherheit übernehme. Da gebe es bereits Fortschritte.
Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), in dessen Bundesland der größte amerikanische Militärstützpunkt außerhalb der USA liegt, zeigte sich derweil in einer Stellungnahme besorgt. Erst im Herbst sei er mit dem rheinland-pfälzischen Innenminister Michael Ebling in den USA gewesen, um im Pentagon für den Standort Rheinland-Pfalz zu werben. „Die US-Standorte in Rheinland-Pfalz haben für die USA einen hohen global-strategischen Wert und besitzen ein hohes Ausstattungs- und Ausbildungsniveau.“
Der US-Kongress habe Ende vergangenen Jahres festgeschrieben, dass die US-Truppenstärke in Europa nicht unter 76 000 fallen darf. Die sei eine wichtige Sicherheitsgarantie. Ebenso habe sich der US-Kongress zur Nato und den Beistandsverpflichtungen bekannt.
CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sieht in der aktuellen Entwicklung eine mögliche gezielte „Aktion gegen Deutschland“. Dem Nachrichtenportal t-online sagte er, spannend sei nun zu sehen, wohin diese Truppen verlegt würden. Falls sie innerhalb Europas blieben, „dann ist es eine Aktion gegen Deutschland“, so Kiesewetter. Falls sie außerhalb Europas stationiert würden, geschehe der Abzug „mit strategischerem Hintergrund“. Die Ankündigung aus Washington kam für Kiesewetter wie für Verteidigungsminister Pistorius nicht überraschend. „Die Absicht von Trump sollten wir nicht überbewerten. Es ist ja schon lange absehbar“, so Kiesewetter. „Also gelassen bleiben und Trump mit öffentlichen Äußerungen keinen Anreiz zu Kurzschlusshandlungen bieten.“
Grünen-Parteichefin Franziska Brantner warnte unterdessen angesichts der Ankündigung der Vereinigten Staaten davor, außenpolitisch auf US-Präsident Donald Trump zu vertrauen. „Europa erlebt, wie schnell Sicherheitsgarantien wegbrechen: Der angekündigte Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland zeigt, wie gefährlich es ist, sich in Verteidigungsfragen auf Trump zu verlassen“, sagte Brantner dem Nachrichtenportal t-online. Sie sieht dabei auch eine Führungsschwäche bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Statt klarer Antworten liefere Merz nur ein Hin und Her und ein Zögern – sowohl gegenüber Washington als auch in Europa. „Deutschland braucht jetzt einen eindeutigen Kurs: mehr europäische Zusammenarbeit und den entschlossenen Aufbau einer gemeinsamen europäischen Verteidigung“, forderte Brantner.
Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Sara Nanni, äußerte sich ähnlich. Sie erwartet nun eine europäisch koordinierte Antwort. Nanni sagte der Rheinischen Post: „Ich hoffe sehr, der Bundeskanzler verbringt den Tag heute am Telefon mit Paris, Madrid, London und Rom. Ob der Ankündigung Trumps Taten folgen, wird man sehen müssen.“ Nun müsse man zeigen, „wo und wie die USA auch von Europa abhängig sind bei der Durchsetzung ihrer Interessen“. Nanni ergänzte: „Das könnte so einen Zocker wie Trump vielleicht dazu bringen, weniger hoch zu pokern.“
US-Präsident Trump will plötzlich „weit mehr“ als 5000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Noch schmerzhafter könnte die Absage der geplanten Stationierung von Marschflugkörpern sein.
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