SZ 30.03.2026
14:05 Uhr

Statistisches Bundesamt: Inflation steigt wegen Iran-Kriegs auf 2,7 Prozent


Wegen der gestiegenen Energiepreise erwartet das Statistische Bundesamt, dass Waren und Dienstleistungen wieder teurer werden. Es ist die höchste Teuerungsrate seit mehr als zwei Jahren.

Statistisches Bundesamt: Inflation steigt wegen Iran-Kriegs auf 2,7 Prozent
Die Menschen in Deutschland müssen sich wieder auf steigende Preise einstellen. Jens Büttner/dpa

Die durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Ölpreise schlagen auf die ⁠Verbraucherpreise in Deutschland durch. Im März schnellte die Inflationsrate auf 2,7 Prozent nach ‌oben, von 1,9 Prozent im Februar, teilte das Statistische Bundesamt in einer ‌ersten Schätzung mit. Das ist der höchste Wert seit Anfang 2024. Daten aus ‌den ‌Bundesländern zufolge zogen vor allem die Preise für Kraftstoffe und ‌Heizöl stark an. Die Europäische Zentralbank strebt ein mittleres Inflationsziel von zwei Prozent an.

„Die Inflationsdaten zeigen genau das an, was alle Autofahrer bereits gemerkt haben: Der Iran-Krieg treibt die Preise für Kraftstoffe und
Heizöl“, sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, der Nachrichtenagentur Reuters. So musste ‌in Bayern für leichtes Heizöl 44,8 Prozent mehr bezahlt werden ‌als noch vor einem Jahr. Kraftstoffe wie Benzin verteuerten sich um fast 20 Prozent.

Zeitverzögert werde der Iran-Krieg auch die Preise anderer Güter nach oben treiben, sagte Schmieding. „Gas wird teurer werden, Nahrungsmittelpreise können bei knappem Dünger im Zeitablauf anziehen, höhere Transportkosten werden auf viele Kategorien durchschlagen.“ In den kommenden Monaten könne die Inflationsrate daher eine Spitze von mehr als drei Prozent erreichen. Sollte der Krieg weiter eskalieren, sei auch ein Gipfel von weit über vier Prozent möglich.

Eine rasche Entspannung deutet sich auch ‌einer Unternehmensumfrage des Münchner Ifo-Instituts zufolge nicht an, im Gegenteil: Deutlich mehr Firmen in Deutschland planen angesichts steigender Energiekosten durch den Iran-Krieg mit höheren Preisen. „Der Preisdruck in Deutschland nimmt wieder spürbar zu“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Umfragen des Ifo-Instituts, zu Reuters. „Die hohen Energiepreise dürften die Inflation in den kommenden Monaten erhöhen.“

Das Preiserwartungsbarometer des Ifo-Instituts stieg im März auf 25,3 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Jahren. Im Februar hatte es noch bei 20,3 Zählern gelegen. Das Barometer misst, wie viele deutsche Unternehmen Preiserhöhungen planen, und basiert auf monatlichen Umfragen. Typischerweise liegt es zwischen negativen Werten (mehr Preissenkungen erwartet) und höheren Werten – wie den nun 25,3 Punkten im März 2026.

Nachdem die günstige Energie die Inflation vor Ausbruch des Kriegs noch gedämpft habe, zeichne sich nun eine Umkehr ab. „Die Unternehmen geben steigende Kosten zunehmend weiter“ an Konsumentinnen und Konsumenten, sagte Wohlrabe. „Über höhere Produktions- und Transportkosten werden die Energiepreise auch auf Waren und Dienstleistungen durchschlagen.“

Besonders stark fiel dem Ifo-Institut zufolge der Anstieg der Preiserwartungen in der Industrie aus. ‌Auch im Baugewerbe zogen sie deutlich an. Die konsumnahen Dienstleister erhöhten ihre Preiserwartungen kräftig von 25,1 auf 31,6 Punkte. Auch die unternehmensnahen Dienstleister inklusive Großhandel planen öfter mit steigenden Preisen: Hier stieg ⁠der Indikator von 24,7 auf 27 Punkte. „Die Ergebnisse ‌zeigen, dass ‌der Preisdruck über viele Branchen hinweg wieder zunimmt“, so das Fazit des Ifo-Instituts.

Weltweit geht das Wirtschaftswachstum zurück, sagt die OECD. Für Deutschland erwartet die Organisation zudem einen Anstieg der Inflation. Und es könnte noch schlimmer kommen.

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