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14.10.2026
15:17 Uhr
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Der Klimawandel sorgt dafür, dass der Permafrost zu schmelzen beginnt und damit der „Klebstoff“ fehlt, der den zerklüfteten Kalk der Berge zusammenhält. Die Folge: weitere Felsstürze.

Es war nur ein Felssturz, der da vor drei Wochen auf 2800 Metern Höhe abgegangen ist. Nichts vollkommen Ungewöhnliches im Hochgebirge, außerdem schon drüben in Österreich, direkt hinter der hier fast senkrechten, kalkgrauen Grenze. Aber der Fels fiel eben von der Zugspitze, mit 2962 Metern Deutschlands höchster Berg, also war die Aufmerksamkeit riesig. An diesem Mittwoch hat sich der ebenfalls aufmerksamkeitsaffine bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zusammen mit Umweltminister Thorsten Glauber (FW) hier herauf fahren lassen, um ein Zeichen dafür zu setzen, wie ernst der Freistaat den Klimawandel und seine Folgen nehme.
Einen Tag zuvor hat sich die Staatsregierung im Umweltausschuss des Landtags einige Kritik anhören müssen für das Verschieben und Verwässern der bayerischen Klimaschutzziele. Am Mittwoch legt die Gondel vom Eibsee herauf noch einen Zwischenstopp ein für Fotos draußen auf der Plattform der höchsten stählernen Seilbahnstütze der Welt. Doch dann lassen sich Söder und Glauber im Umweltforschungszentrum Schneefernerhaus demonstrativ über das unaufhaltsame Verschwinden des Permafrosts informieren und über die Gefahren, die mit fortschreitender Erderwärmung auch für die Menschen im Tal immer größer werden.
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„Die Alpen und die Küste sind die klimasensibelsten Regionen in Deutschland“, sagt Söder, und wenn es nach ihm und Glauber geht, dann ist Bayern bundesweit auch beim Klimaschutz ganz vorn dabei und bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Diese Klimaanpassung lasse sich auf Ebene des Freistaats deutlich leichter beeinflussen als die Erderwärmung, sagt Söder.
Wie sehr sich die Erde gerade hier oben auf der Zugspitze erwärmt, zeigt den beiden Politikern und einem großen Medientross der Geologie-Professor Michael Krautblatter von der Technischen Universität München. Der Spezialist für Hangbewegungen forscht seit dem Jahr 2000 auf der Zugspitze, seit 2006 misst er in einem Stollen unter dem Bergkamm die Mächtigkeit des Permafrosts im Gestein des Gipfels.
Der Stollen ist ein Glücksfall für Krautblatter und seine Forschung. Einst konnten auf diesem Weg Skitouristen von der Bergstation der Tiroler Zugspitzbahn zum Schneefernerhaus gelangen, das bis Anfang der 1990er-Jahre ein Hotel gewesen und vom Freistaat 1999 zur Umweltforschungsstation gemacht worden ist. Ein Seitengang dieses Stollens mündet über einer 400 Meter hohen Felswand auf der Nordseite der Zugspitze, ziemlich genau auf der Höhe des Felssturzes vom September und horizontal nur ein kleines Stück von der Abbruchstelle entfernt.
Herabstürzende Felsmassen hatten an Deutschlands höchstem Berg im wahrsten Sinne des Wortes viel Staub aufgewirbelt. Experten wollen die Nordwand nun regelmäßig auf Hangbewegungen beobachten.
Ungefähr 13 800 Kubikmeter Fels seien damals abgegangen, sagt Krautblatter, also wesentlich mehr als es die ersten Schätzungen von Tiroler Seite besagten. Krautblatter hat die Stelle mit einer Drohne vermessen und mit einer Wärmebildkamera die Temperatur des Gesteins detektiert. Demnach liegt die Stelle genau auf jener Höhe, auf der das scheinbar ewige Eis des Permafrosts zu schmelzen beginnt. Und dort, wo das Eis zu Wasser wird, fehlt dem zerklüfteten Kalk der Klebstoff, der ihn zusammenhält.
Das Eis im Gestein auf der Zugspitze ist bis in eine Tiefe von knapp 14 Metern geschmolzen, sagt Krautblatter, weiter hinein als je zuvor seit Beginn seiner Messungen und vermutlich auch seit vielen Tausend Jahren. Er rechnet damit, dass es in den kommenden Wochen noch bis in 15 Meter Tiefe tauen wird, obwohl auf der Zugspitze vor ein paar Tagen der erste Schnee der Saison gefallen ist. Denn die Rekordhitze dieses Sommers kommt erst mit einigen Monaten Verzögerung im Inneren des Berggipfels an. Im Stollen hat es derzeit, genau wie weiter draußen im Gestein an der Felswand etwa minus 0,7 Grad Celsius. Bei minus 0,5 Grad beginnt das Eis im Kalk weich und flüssig zu werden. Es werde weitere Felsstürze geben, sagt Krautblatter, hier und anderswo in den Bergen.
Denn in keinem Gebirge der Welt sind die Durchschnittstemperaturen in der jüngeren Vergangenheit so schnell gestiegen wie in den Alpen. Drei Grad Celsius waren es seit 1880, sagt Krautblatter. In seinem Stollen wird er unter diesen Bedingungen vielleicht noch zehn Jahre überhaupt am Permafrost forschen können. Bis ganz hinauf unter den Gipfel werde es vielleicht noch 30 Jahre Eis im Gestein geben. Und auch tief in den riesigen Schuttmengen des Zugspitzplatts schmilzt das Eis – von den Gletschern ganz zu schweigen.
Von einem anderen Ausgang des Stollens konnten die Skifahrer früher auf die Piste am Südlichen Schneeferner hinausgleiten. Heute liegt der klägliche Toteisrest des Südlichen Schneeferners ungefähr 70 Meter tief unter diesem Ausgang. Auch der Nördliche Schneeferner und der Höllentalferner auf der Zugspitze werden in wenigen Jahren Geschichte sein, genau wie das Blaueis und der Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen. Dann wird Deutschland seine letzten Gletscher verloren haben, mit Folgen für den Wasserhaushalt im Tal, wie Umweltminister Glauber sagt.
Die Höllentalklamm und die Partnachklamm oberhalb von Grainau und Garmisch-Partenkirchen haben Krautblatter und seine Kollegen schon 2016 mit Laserscannern ausgestattet. Sie vergleichen die regelmäßigen Messungen und können so Bewegungen im Fels zentimetergenau registrieren. Mit ähnlicher Technik wollen sie nun auch die viele Quadratkilometer große Felsfläche auf der Nordseite der Zugspitze in den Blick nehmen, aus einer Distanz von rund vier Kilometern. Aus solchen Aufbauten entwickeln die Forscher Methoden, wie sich Felsstürze und Murenabgänge auch in anderen Gebirgsregionen vorhersagen lassen könnten.
Frühwarnsysteme für solche Ereignisse würden in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, sagt Krautblatter, auch für die Menschen in den Tälern und entlang der Flüsse aus dem Alpenraum. Darin ist er sich einig mit Söder und Glauber. Der Freistaat investiere da gerade wieder zusätzliche 600 000 Euro in die nötige Spitzenforschung, sagt Umweltminister Glauber. „Bayern ist da gut aufgestellt.“
Ende September hat ein Gericht die Abschussgenehmigung für einen Wolf in den Allgäuer Bergen gestoppt. Die Staatsregierung geht gegen diese Entscheidung vor. Denn der Gerichtsbeschluss rührt an die Grundfesten der bayerischen Wolfspolitik.
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