SZ 01.09.2026
14:28 Uhr

Mysteriöse Insel: Plötzlich ist sie da, plötzlich ist sie weg


In einem Stausee in British Columbia stößt ein Bootsfahrer auf eine bislang unentdeckte bewaldete Insel. Kurz darauf ist sie verschwunden und taucht später wieder auf – 32 Kilometer entfernt. Was hat es damit auf sich?

Mysteriöse Insel: Plötzlich ist sie da, plötzlich ist sie weg
Ein Video, aufgenommen von Rocky Avery und verbreitet von CBC News, zeigt die unwahrscheinliche Insel im  Williston Lake.
youtube.com/@cbcbritishcolumbia

Die Gegenwart ist reich an Erfindungen, aber an Entdeckungen ist sie arm. Schon vor Jahrhunderten wurden die letzten großen Denkmäler für Entdecker wie Christoph Kolumbus und Vasco da Gama errichtet. Aber heute? Gibt es kaum noch Unkartografiertes zu finden in einer von Drohnen, U-Booten und Starlink-Satelliten durchkämmten Welt.

Umso nachvollziehbarer ist da die Verblüffung in der Stimme des naturverbundenen Rocky Avery, über den man noch nicht sagen kann, ob auch für ihn eines Tages ein Denkmal erbaut wird in der kanadischen Provinz British Columbia. Als Avery am 13. August auf seinem Boot auf dem siebtgrößten Stausee der Welt, dem Williston Lake, unterwegs war, tauchte vor ihm auf einmal eine Landmasse auf. Avery tat, was man tun muss im Jahr 2026, wenn man ahnt, dass einem das sonst niemand glaubt: Er zückte seine Kamera. „So etwas habe ich in meinen 40 Jahren in diesem Land noch nie gesehen“, sagte er in das Handymikrofon und teilte das Video mit seinen Facebook-Freunden. „Ein wirklich beeindruckender Anblick.“

Was sich vor ihm auftat, war eine augenscheinlich dicht bewachsene Insel. Lauter Nadelbäume schießen aus dem Boden, in sattestem Grün. Ein kanadischer TV-Reporter verglich die Insel später mit einem „kanadischen Football-Feld“, 140 mal 70 Meter muss sie groß sein. Bisher wusste niemand von ihrer Existenz. Entsprechend aufgeregt ging es in den vergangenen Tagen in Kanada bei diesem Thema zu. Averys vom kanadischen Sender CBC verbreitetes Video wurde inzwischen 1,2 Millionen Mal angesehen.

Skeptische Beobachter gingen zunächst davon aus, dass die Insel aus dem Video mit künstlicher Intelligenz erschaffen worden sein muss. Auch die Betreiberfirma des Stausees, die eigentlich jeden Quadratzentimeter des von ihr verwalteten Gewässers kennen sollte, hielt die Insel für ein Ergebnis menschlicher Fantasie. Wie sonst sollte sich erklären lassen, dass, als ihre Existenz vor Ort überprüft werden sollte, die Insel nicht mehr anzutreffen war?

Nun, nach Wochen der Ungewissheit, gab es an diesem Montagabend (Ortszeit) Klarheit. Satellitenaufnahmen zeigen: Die Insel existiert. Ein Sprecher des Stauseebetreibers sagte der New York Times: „Wir haben sie gefunden!“ Und zwar rund 32 Kilometer nordwestlich von der Stelle entfernt, wo sie zuletzt gesehen wurde, im See. So zeigten es Aufnahmen, die einige Wochen zuvor gemacht worden waren.

Experten haben auch eine Erklärung für diese unwahrscheinliche Wanderung. Möglicherweise ist Boden aus Baumstämmen und Holzresten entstanden, die sich über viele Jahre am Ufer gesammelt haben. Das Material muss sich irgendwann zersetzt haben, und so konnte auf dem nährstoffreichen Grund bald neue Vegetation wachsen. Der nun „Insel“ genannte Boden war wohl die längste Zeit seines Daseins Teil des Festlands. In diesem Jahr aber hatte der Williston Lake einen so hohen Wasserpegel wie seit 14 Jahren nicht. Durch den Anstieg könnte sich der inzwischen bewaldete, neu entstandene Boden vom Ufer gelöst haben. Und so trieb die Insel über den See, namenlos und zunächst unentdeckt. Womöglich wird sie bald sinken oder eines Tages wieder an Land gehen. Aber Rocky Avery wird für immer behaupten können: Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen.

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