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31.05.2026
09:14 Uhr
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Erstmals zeigen zwei große Studien, dass eine chronische Hepatitis B funktionell geheilt werden kann. Davon profitiert nur ein Teil der Betroffenen - warum Experten trotzdem auf eine Zulassung hoffen.

Eine Impfung schützt vor Hepatitis B. Doch weltweit leben bereits 240 Millionen Menschen mit der chronischen Infektion. Für sie könnte eine neue Kombinationstherapie Hoffnung bedeuten. IMAGO/IMAGO/HalfPoint Images
Die globale Krankheitslast ist enorm: Weltweit leben schätzungsweise 240 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion (HBV). Etwa 1,1 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen der Krankheit wie Leberzirrhose und Leberkrebs. Nun zeigen zwei Studien erstmals, dass eine Kombinationstherapie eine sogenannte funktionelle Heilung ermöglicht – wenn auch nur bei einem Teil der Betroffenen.
Funktionelle Heilung bedeutet, dass das das Virus nicht vollständig eliminiert, aber so weit zurückgedrängt ist, dass es klinisch nicht mehr nachweisbar und nicht mehr schädlich ist. Eine Vermehrung eventuell verbliebener Viren aber – etwa im Falle einer Immunsuppression – kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.
„Das ist ein sehr bedeutender Schritt“, sagt Markus Cornberg von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Koordinator der deutschen und europäischen Leitlinien zur Hepatitis B-Virusinfektion, der nicht an den Studien beteiligt war. „Ich wünsche mir für die Patienten, dass die Therapie zugelassen wird.“
Denn eine HBV-Infektion ist komplex. Bislang erfordert ihre Behandlung häufig eine langfristige, oft lebenslange Einnahme antiviraler Tabletten, die – ähnlich wie bei der HIV-Therapie – die Vermehrung des Erregers eindämmen sollen. Das ermöglicht zwar eine Kontrolle des Virus, führt aber nur in seltenen Ausnahmefällen zu einer funktionellen Heilung. Zudem ist eine HBV-Infektion – meist übertragen über Körperflüssigkeiten oder Blut – mit einem gesellschaftlichen Stigma verbunden.
In zwei Studien prüfte das Team um Jinlin Hou von der Southern Medical University in Guangzhou die Kombination aus der gängigen HBV-Therapie zusammen mit dem Wirkstoff Bepirovirsen. Dieses sogenannte Antisense-Oligonukleotid, das einmal pro Woche unter die Haut gespritzt wurde, zielt auf alle Boten-RNAs des Erregers und stimuliert zudem das Immunsystem.
In der Studie hatten alle Teilnehmer keine Leberzirrhose und sprachen auch auf die Standardtherapie an. Rund 1.200 Patienten bekamen die Kombinationstherapie für fast ein halbes Jahr und wurden knapp ein Jahr nach dem Ende der Behandlung wieder untersucht. Bei etwa 20 Prozent von ihnen hatte die Therapie eine funktionelle Heilung erreicht, wie das Team im New England Journal of Medicine (NEJM) berichtet.
In der Kontrollgruppe mit gut 600 Patienten, die nur die Standardtherapie erhielten, gab es keinen einzigen Fall einer solchen Heilung. Ernstere Nebenwirkungen traten bei 16 Prozent der Teilnehmer auf und betrafen oft erhöhte Werte des Leberenzyms Alanin-Aminotransferase (ALAT). Drei Prozent der Patienten brachen die Therapie ab.
In einem NEJM-Kommentar spricht Anna Lok von der University of Michigan in Ann Arbor von beeindruckenden Ergebnissen und einem bedeutenden Schritt hin zu einer Heilung. Zwar habe man viele HBV-Patienten - etwa solche mit Leberzirrhose - nicht eingeschlossen und es gebe häufig Nebenwirkungen. Für ausgewählte Patienten jedoch sei Bepirovirsen eine attraktive Option, betont sie.
„Das ist die erste große Phase-3-Therapiestudie, die zeigt, dass eine funktionelle Heilung bei chronischer Hepatitis B in relevantem Umfang möglich ist“, sagt der deutsche Experte Cornberg. Der Medizinische Geschäftsführer der Deutschen Leberstiftung schätzt, dass in Deutschland etwa 250.000 bis 400.000 Menschen mit chronischer Hepatitis B leben - oft ohne von der Infektion zu wissen.
Welche Patientengruppen künftig tatsächlich für eine solche Therapie infrage kämen, werde wesentlich von der Zulassung und den dann geltenden Kriterien abhängen. Das Screening auf Hepatitis B ist in Deutschland Bestandteil der Gesundheitsvorsorgeuntersuchung ab 35 Jahren. Eine Hepatitis-B-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) als Standardimpfung für alle Kinder empfohlen.
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