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30.04.2026
14:07 Uhr
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Der He-Man-Designer Roger Sweet ist gestorben. Er hat mit dem blonden Anabolika-Siegfried in den 1980er-Jahren die grundsympathischen Big-Jim-Boys vertrieben. Ein neuer Held, der in die Kinderzimmer eingezogen war und dessen Mythos bis heute existiert.

„Nicht alles im Internet muss dich interessieren“, warnt Skeletor per Meme, und: „Es ist eigentlich total egal, wer dir nicht mehr folgt.“ Die täglichen Social-Media-Kalendersprüche enden stets mit „until next time“. Bald also mehr! So wurde die Figur aus „He-Man and the Masters of the Universe“ in frühen Internetzeiten vom jungen Publikum noch einmal neu entdeckt. Und erinnert sich noch jemand an das Video „HEYYEYAAEYAAAEYAEYAA“, welches um das Jahr 2010 zum Youtube-Hit wurde? Ein Filmchen, das fürchterlich schlecht gemachte Szenen aus der 1980er-He-Man-TV-Serie mit einer Fistelstimmenversion eines 1990er-Songs der 4 Non Blondes unterlegte? He-Man’s wichtigster Designer Roger Sweet ist, wie unter anderem Variety berichtet, gerade im Alter von 91 Jahren gestorben. Er war der Mann, der das Polyäthylen-Testosteron in die Kinderzimmer gebracht hat.
Es ist ja schon interessant, mit welchen Spielfiguren des US-Konzerns Mattel männliche Heranwachsenden in den Siebziger- und Achtzigerjahren so ihre Kindheit verbrachten. Wobei es da große Unterschiede gab: Anfangs waren da fast nur Big Jim und seine Freunde. Super sympathische lächelnde Softies, mit denen man damals im Yosemite-Naturpark oder an der Bigge sofort ein Zelt bezogen hätte. Coole Kerle mit Neon-orangefarbenen Unterhosen. Für damalige Verhältnisse: Sehr, sehr LGBTQ! Aber offensichtlich wurden die von Mattel-Designer Steve Lewis entworfenen, queeren Big-Jim-Männchen mit Gummi-Bizeps vielen dann doch zu langweilig, weshalb ihnen der Konzern etwa noch „Captain Drake“ hinzugesellte, dessen Kopf sich per Armbewegung in einen Totenschädel verwandeln ließ. Wie gruselig! Aber eben nichts mehr für den fröhlichen Zelt-Ausflug. Die erwünschten Verkaufszahlen blieben offenbar aus, weshalb Mattel-Designer Roger Sweet dann neu zu experimentieren begann: Er klebte Ton-Batzen an die schmalen Big-Jim-Boys, um ihnen mehr Muskelmasse zu verleihen. So entstand He-Man, dieser blonde Anabolika-Siegfried mit Prinz-Eisenherz-Frisur und einem Oberkörper wie eine Rettungsweste. Optisch schwamm He-Man damit voll auf der damals bei Angebern erfolgreichen Schwarzenegger-Conan-der-Barbar-Welle. Big Jim hingegen wurde ab 1986 nicht mehr produziert. He-Man, Skeletor und die anderen Muckibuden-Pumper aus dem Barbarenreich Eternia setzten einen neuen Ton: In der Spielzeugkiste, als Comic-Charaktere (130 schrecklich schlechte Folgen zwischen 1983 und 1985), sogar als Hörspielfiguren, was man bis heute nicht begreift, schließlich bekamen sie kaum einen geraden Satz heraus. Aber auch als Memes und dargestellt von Realschauspielern (Dolph Lundgren!) lebten sie fort. Man entkam ihnen einfach nicht.
Als überzeugter Big-Jim-Fan konnte man mit den von Roger Sweet beklebten, breitbeinigen Mansplainern freilich nie was anfangen. Wie allein man sich also jetzt wieder fühlt, wenn es heißt, Amazon, MGM und Mattel würden im Juni einen neuen He-Man-Actionfilm herausbringen. Mit Nicholas Galitzine, Camila Mendes, Jared Leto, Alison Brie und Idris Elba. Das haben wir im Internet gelesen. Aber, wie sagt Skeletor? „Nicht alles im Internet muss dich interessieren.“ Also ab in den Yosemite-Nationalpark. Aber nur mit Big Jim. Notfalls sogar mit Ken.
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