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21.04.2026
15:56 Uhr
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Der Mobilfunkanbieter liefert viel weniger Datentempo als versprochen? Dagegen kann man sich mit Messungen per App wehren. Theoretisch.

Das Problem verbirgt sich hinter zwei kurzen Wörtchen: bis zu. Die Leistung, die ein Mobilfunkanbieter beim Senden und Empfangen von Daten über ein Smartphone zu erbringen verspricht, wird in den entsprechenden Verträgen stets mit diesen zwei Präpositionen versehen. Bis zu 300 Megabit pro Sekunde etwa, das klingt super – viele Nutzer in Deutschland bekommen über ihre Festnetzleitung erheblich weniger an Geschwindigkeit. Das Versprechen ist das eine, die schnöde Wirklichkeit das andere.
Manche Nutzer stellen verärgert fest, dass ihr mobiler Internetzugang bei Weitem nicht das liefert, was der Anbieter versprochen hat. Die Bundesnetzagentur, die Behörde also, die über die Branche wacht, stellt den Verbrauchern jetzt eine App für Smartphones zur Verfügung, mit der sie eine sogenannte Minderleistung ihres Anbieters rechtskonform erfassen und diesen zu einer Entschädigung auffordern können.
Wer sich in die vielen Bedingungen und Klauseln einarbeitet, wird allerdings schnell merken: Einfach ist die Sache nicht. Mal schnell eben die App starten, messen und dann Geld von seinem Mobilfunkanbieter einfordern, das funktioniert nicht. Allein die „Handreichung bezüglich eines Überwachungsmechanismus zum Nachweis von erheblichen, kontinuierlichen oder regelmäßig wiederkehrenden Abweichungen bei der Geschwindigkeit bei Mobilfunk-Internetzugängen“ umfasst zehn DIN-A-4-Seiten in schönstem Juristendeutsch. Schon der erste Satz erstreckt sich Thomas-Mann-ähnlich über neun Zeilen.
Die ganze Übung dient aber ja dazu, eine mögliche Minderleistung so wasserfest zu dokumentieren, dass sie vor Gericht Bestand hat. Daher gibt die Bundesnetzagentur genaue Anweisungen, wie die Messungen vorzunehmen sind. Ja, Messungen. Eine sogenannte Messkampagne kann sich über bis zu fünf Messtage erstrecken. An jedem dieser Tage können bis zu sechs Messungen vorgenommen werden. Zwischen der dritten und vierten Messung muss dabei ein Abstand von mindestens drei Stunden liegen.
Die Messungen dürfen nur draußen gemacht werden, weil die Besonderheiten von Gebäuden die Messungen verfälschen können. Auch Messungen in Zügen oder im Auto sind tabu – die Transportmittel wirkten wie ein faradayscher Käfig und schwächten die Signale erheblich ab. Die Nutzerinnen und Nutzern sollten zudem die Hüllen ihrer Smartphones zur Messung abnehmen. Weiterer Datenverkehr neben der Messung ist ebenso ein Ausschlusskriterium wie Gespräche über das Handy während der Messung. Die Handreichung umfasst noch viele weitere Vorgaben.
Für eine Messkampagne haben die Nutzerinnen und Nutzer 14 Tage Zeit. Schaffen sie es in dieser Zeit nicht, alle erforderlichen Messungen vorzunehmen, müssen sie von vorn anfangen. Falls sie dann noch Lust dazu haben. Natürlich kann es aber auch sein, dass die Messungen ergeben haben, dass alles gar nicht so schlimm ist.
Gar nicht so schlimm, das heißt laut Bundesnetzagentur: Die Behörde unterscheidet zwischen den drei Stufen, dichte, mittlere und dünne Besiedelung. Bei dichter Besiedelung müssen die Anbieter im Schnitt mindestens 25 Prozent der zugesagten Leistung liefern, bei mittlerer 15 Prozent, bei dünner nur noch zehn Prozent. Wer nachweisen kann, dass sein Anbieter darunter bleibt, darf sich mit dem Messprotokoll an seinen Mobilfunkanbieter wenden.
Wird die Mindestleistung aber an mindestens drei Messtagen erreicht, ist die Kampagne schon vorzeitig beendet. Wer seinem Anbieter nachweisen will, dass er nicht ausreichend liefert, muss dagegen die vollen fünf Tage mit jeweils sechs Messungen durchhalten.
Die betroffene Branche hält das Verfahren für ein „bürokratisches Ungetüm“, so der Telekommunikationsverband VATM. Die Belastbarkeit der Ergebnisse sei trotz der vielen Anforderungen zweifelhaft, weil Ergebnisse durch äußere Bedingungen verfälscht und Missbrauch nicht gänzlich ausgeschlossen werden könnte. Besonders viel Anfragen aber erwarte man aber nicht, lässt Marktführer Telekom wissen, der sich laut verschiedenen Tests als bestes Mobilfunknetz in Deutschland rühmen darf. Und wenn, so eine Sprecherin, werde jeder Einzelfall geprüft und, sollte er berechtigt sein, „kulant“ gelöst.
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