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29.05.2026
15:33 Uhr
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Auf der wilden Rodach in Nordoberfranken sind Flößer seit Jahrhunderten unterwegs. Nun aber interessiert sich plötzlich die Welt dafür.

So putzig, die Provinz. Sogar im Nordoberfränkischen machen sie jetzt Instagram-Filmchen, wie schön. Ums Floßfahren auf der wilden Rodach in Wallenfels geht es darin, Frankenwald, hach, urtümlich. Und der Kleinstadtbürgermeister hat sogar ein paar Zeilen in ortsüblicher Sprache zu seinem Insta-Reel gestellt, lovely: „In Gott’s Noma“ – also: in Herrgotts Namen – schreibt er, hätten gerade die Flößer abgelegt. Wie viele Aufrufe? 360! Reespeeekt!
Moment. Was heißt jetzt die Angabe „Millionen“ hinter der Ziffer 360? Ach so. Nicht 360, sondern 360 Millionen Zugriffe (Stand: Freitagnachmittag) hat das Flößer-Filmchen aus Wallenfels, Nordoberfranken, inzwischen. Und 4,6 Millionen Likes. Oh. Ja, das ist dann wohl sogar richtig, äh, gut.
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Um mal kurz die Stilart zu wechseln: Auch der Bürgermeister von Wallenfels im Kreis Kronach hätte durchaus mit ein paar Millionen weniger Zugriffen auf sein Privatvideo gerechnet. Wallenfells hat keine 2500 Einwohner. Flößer, die Baumstämme aus dem Frankenwald auf dem örtlichen Flüsschen transportieren, gibt es dort seit einigen Hundert Jahren. Da hätte Bürgermeister Jens Korn die Insta-Tauglichkeit jener Aufnahme, wie im Mai wieder mal die Flößer-Saison eröffnet wird, nicht gar so wuchtig eingeschätzt.
„Ich saß abends auf meiner Couch“, erzählt Korn. Und habe halt einfach mal dieses Video ins Netz gestellt. „Als Arbeitsnachweis“, sagt der Bürgermeister, ein übrigens sehr ironiebegabter Mann.
Als er morgens aufwachte, hatte sein „In-Gott’s Noma“-Reel, 18 Sekunden lang, bereits einige Millionen Aufrufe. Die 100-Millionen-Grenze knackte es nach 24 Stunden. In Bayern schafften das nicht mal die allerbesten Söder-Döner-Filmchen, spöttelt der Bürgermeister.
Korn, jetzt Top-Influencer, darf das, er war mal Markus Söders Büroleiter. Ist allerdings schon 20 Jahren her. Seit 2014 ist Korn Rathauschef von Wallenfels, Nordoberfranken. Und freut sich jedes Jahr wieder, wenn die Saison losgeht. Wenn also das erste Wehr in, jawohl, famos Schnappenhammer geöffnet wird, einem Ortsteil von Wallenfels. Etwa 50 Einwohner.
Ohne die vielen Tausend Kommentare im Einzelnen gelesen zu haben, die Welt ist, das darf man sagen, fasziniert: „Oh Lord!“ Hat aber offenbar noch Fragen an Franken: Wie das denn bitte sei mit der Sicherheit? Die Wasserwacht ist im Einsatz. Und wer, kreisch, ist dieser Flößer, der coole Typ mit der Zigarettenschachtel im weiß-blau karierten Hemd? Chris Hofmann heißt der Mann, 34, Flößer quasi von Geburt an, schon sein Opa war so unterwegs.
Und nun? Will Wallenfels – was den Tourismus betrifft – Neuschwanstein in Angriff nehmen? Und danach Hallstatt in Österreich, das europäische Overtourism-Örtchen schlechthin?
„Selbstverständlich“, sagt Korn, der Ironiker. Die Floßfahrten immerhin sind in dieser Saison bereits ausverkauft.
„Skandal in Sperrbezirk“ soll nicht mehr gespielt werden auf dem Erlanger „Berg“. Ist das nicht der eigentliche Skandal? Wer sich umhört, merkt: Die Frage ist umstritten. Mindestens.
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