SZ 10.05.2026
07:17 Uhr

Hantavirus-Ausbruch: Kreuzfahrtschiff vor Teneriffa eingetroffen - Plan zur Evakuierung steht


Die Passagiere und ⁠ein Teil der Besatzung sollen unter hohen Sicherheitsvorkehrungen an Land gebracht werden. Rückführungsflüge für deutsche und andere europäische Passagiere sind geplant.

Hantavirus-Ausbruch: Kreuzfahrtschiff vor Teneriffa eingetroffen - Plan zur Evakuierung steht

Das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff Hondius ist am Sonntagmorgen im Hafen von Granadilla auf Teneriffa ankommen. Dort sollen die Passagiere und ⁠ein Teil der Besatzung unter hohen Sicherheitsvorkehrungen an Land gebracht werden. Der Einsatz zur Evakuierung soll den spanischen Behörden zufolge noch am Morgen beginnen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach am späten Freitagabend von nun insgesamt sechs bestätigten Hantavirus-Fällen und zwei Verdachtsfällen. Zuvor war die Rede davon gewesen, dass bei fünf der acht gemeldeten Fälle das Virus nachgewiesen worden sei. Drei der acht betroffenen Personen sind gestorben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland.

Das Schiff soll am Sonntag Teneriffa erreichen. Eine bislang noch gesuchte Person wurde als Verdachtsfall auf einer Insel im Südatlantik identifiziert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Ausbruch des Hantavirus.

Zunächst sollen die Passagiere, die bislang ‌keine Symptome zeigen, von spanischen Gesundheitsbehörden getestet ‌werden. Anschließend werden sie in kleinen Booten an Land und von dort in isolierten Bussen zum nahegelegenen Flughafen gebracht, um
in ihre Heimatländer zu fliegen. Die Planungen inklusive Untersuchungen und Quarantäne-Prozeduren, würden von verschiedenen Organisationen verantwortet, darunter die WHO sowie niederländische und spanische Gesundheitsbehörden. Das hatte der Veranstalter Oceanwide Expeditions am Freitagabend mitgeteilt.

Zuerst würden voraussichtlich die 14 Spanier zum nahegelegenen Flughafen Teneriffa Süd gebracht, von wo sie mit einer Militärmaschine nach Madrid geflogen werden sollen, um dort in einem Krankenhaus in Quarantäne zu gehen.

Der Direktor der WHO versicherte erneut, dass es sich beim Hantavirus nicht um ein mit Corona vergleichbares Virus handelt. „Das ist nicht ein neues Covid“, schrieb WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in einer Veröffentlichung, mit der er sich direkt an die Bevölkerung von Teneriffa wandte. Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering – zumal auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei, so Tedros.

Die Heimreise der deutschen und anderer europäischer Passagiere ist nach Angaben des spanischen Innenministers Fernando Grande-Marlaskas bereits gesichert. „Ich kann bestätigen, dass die Rückführungsflüge nach Frankreich, Deutschland, Belgien, Irland und in die Niederlande bereits geplant sind“, sagte er. Von deutschen Behörden gab es zunächst weder genaue Angaben zur Rückführung noch zu einer eventuellen Quarantäne in Deutschland. An Bord des Kreuzfahrtschiffes sind Passagiere und Besatzungsmitglieder aus 23 Ländern. Laut Auswärtigem Amt ist darunter auch eine mittlere einstellige Zahl deutscher Staatsbürger.

Für die Bürger der EU-Länder, die über keine Lufttransportfähigkeiten dieser Art verfügten, seien über das sogenannte EU-Katastrophenschutzverfahren zwei Flugzeuge zur Verfügung gestellt worden, fügte Grande-Marlaska hinzu. Zudem hätten Großbritannien und die USA als Länder außerhalb der EU sogenannte Repatriierungsflüge angekündigt – damit wird die organisierte Rückführung von Personen aus dem Ausland in ihr Heimatland bezeichnet, etwa wenn diese im Ausland feststecken oder medizinische Hilfe benötigen.

Erst wenn ein Flugzeug auf dem Flughafen startklar sei, würden jeweils Angehörige derselben Nationalität mit einem kleinen Boot von dem vor Anker liegenden Kreuzfahrtschiff an Land gebracht und mit Bussen direkt auf das Rollfeld zu ihrer Maschine gefahren, erläuterte García. Die Koffer müssten bis auf ein leichtes Handgepäck an Bord bleiben.

Der Betreiber erklärte, derzeit zeige niemand auf der Hondius Symptome. Nach dem Anlegen in dem Hafen der spanischen Insel vor der Westküste Afrikas lägen die medizinischen Schritte und die mögliche Heimreise der Passagiere in der Hand der Behörden. Oceanwide Expeditions sei dann nicht mehr involviert.

Während alle Reisenden und 17 Besatzungsmitglieder von Bord gehen, bleiben 30 Crew-Mitglieder auf dem Schiff. Sie sollen die MV Hondius in die Niederlande überführen, erklärte die spanische Gesundheitsministerin Monica García. Das Gepäck und die Leiche eines Passagiers bleiben ebenfalls an Bord. Das Schiff soll nach der Ankunft vollständig desinfiziert werden.

Das Schiff war am Mittwochabend von Kap Verde in Richtung der Kanarischen Inseln aufgebrochen. Zu dem Zeitpunkt gab der Betreiber für die Überfahrt eine voraussichtliche Dauer von drei bis vier Tagen an. Ursprünglich hatte die Hondius ihre Reise Anfang April im Süden Argentiniens begonnen.

Wo sich die Menschen mit dem Virus infiziert haben, ist noch immer unklar. Nach Einschätzung der örtlichen Behörden in Argentinien liegt der Ursprung des Hantavirus-Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff nicht in der argentinischen Provinz Tierra del Fuego (Feuerland). „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ansteckung hier erfolgte, liegt praktisch bei null“, sagte der Direktor für Epidemiologie im Gesundheitsministerium der Provinz im äußersten Süden des Landes, Juan Petrina.

In Spanien wurde am Freitag eine Frau in Alicante mit leichten Krankheitssymptomen zur Isolation in ein Krankenhaus gebracht, die zwei Reihen hinter der am Hantavirus erkrankten und später verstorbenen Niederländerin gesessen haben soll, teilte der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Javier Padilla, mit. Sie habe leichten Husten und weise damit mögliche Krankheitssymptome auf.

Am Samstag wurde ein zweiter Verdachtsfall gemeldet. Die betroffene Frau lebe in Katalonien und sei vorsorglich zur Quarantäne in ein Krankenhaus eingewiesen worden, teilte das spanische Gesundheitsministerium auf der Plattform X mit. Sie weise jedoch keine Krankheitssymptome auf. Auch sie hätte in der KLM-Maschine gesessen. Das Ergebnis möglicher PCR-Tests bei beiden Frauen wurde bisher nicht bekannt.

Die spanischen Behörden berichteten noch von einer weiteren Person, die mit demselben Flug gereist sei. Die Südafrikanerin habe eine Woche in Barcelona verbracht und sei anschließend in ihr Heimatland zurückgekehrt, sagte Padilla. Gesundheitsministerin Mónica García schrieb auf X, die Frau sei symptomfrei und habe in Barcelona keinen engen Kontakt zu anderen Menschen gehabt.
Eine Stewardess des KLM-Fluges von Johannesburg nach Amsterdam, die ebenfalls Kontakt zu der gestorbenen Niederländerin hatte, wurde inzwischen wieder aus einem Krankenhaus entlassen. Sie sei nicht infiziert, teilte das niederländische Gesundheitsministerium mit.

In Deutschland wird in der Uniklinik Düsseldorf (UKD) eine Passagierin untersucht, die neben zwei kranken Crew-Mitgliedern ausgeflogen wurde. Wegen der langen Inkubationszeit könnten die Ärzte erst nach acht Wochen Entwarnung geben, erklärte der UKD-Bereichsleiter Tropenmedizin, Torsten Feldt. Man könne nur sagen, dass die Kontaktperson derzeit keine aktive Infektion habe.

Die WHO hat wiederholt betont, dass es sich bei dem Hantavirus-Ausbruch um eine ernste Entwicklung handle, aber keinesfalls um den Beginn einer Pandemie. Ähnlich äußerte sich nun auch der Virologe Hendrik Streeck. „Da wird keine zweite Pandemie ausbrechen“, sagte der Drogenbeauftragte der Bundesregierung und ehemaliges Mitglied des Corona-Expertenrats der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Hantaviren werden üblicherweise durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Bei dem aktuellen Ausbruch geht es um den sogenannten Andes-Typ, bei dem eine Übertragung von Mensch zu Mensch bereits in der Vergangenheit in Einzelfällen dokumentiert wurde.

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