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28.05.2026
12:21 Uhr
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Was wie bei Lionel Messi kaum vorstellbar war, tritt nun auch im Fall von Alexia Putellas ein: Die Klub-Ikone verabschiedet sich vom FC Barcelona – nach 14 Jahren und 38 Titeln.

Ein Heimspiel stand noch auf dem Plan, am Mittwoch gegen Real Sociedad San Sebastián. Die Primera División hatten die Fußballerinnen des FC Barcelona längst gewonnen, aber ums Sportliche wäre es an diesem Abend so oder so nur am Rande gegangen. Denn seit dieser Woche steht fest, dass Realität wird, was für sehr viele unvorstellbar war: Alexia Putellas, Ikone des Klubs, verlässt Barcelona. Am Dienstagabend machte Barça dies offiziell, Putellas werde ihren auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Mit ihr gehe eine Spielerin, „die dazu beigetragen hat, den Frauenfußball weltweit voranzubringen“. Das Team sei an der Hand einer „unvergleichlichen Kapitänin gewachsen“.
Im Estadi Johan Cruyff standen die Sociedad-Spielerinnen Spalier, als Putellas den Platz betrat, für ein vorerst letztes Mal vor Heimpublikum im Trikot der Blaugrana. Als sie in der 81. Minute ausgewechselt wurde, verbeugte sie sich, wie so oft in den vergangenen Jahren, vor dem Publikum, das ihr stehend applaudierte. In einer fünfminütigen Videobotschaft hatte sie zuvor erklärt: „Das war’s, jetzt ist es so weit. Es war eine perfekte Geschichte.“ Sie werde immer Barça-Fan sein, deshalb „möchte ich nicht, dass das ein trauriger Moment ist. Dies ist nur ein Kapitel, das zu Ende geht. Wir werden uns wiedersehen.“ Natürlich flossen trotzdem Tränen.
Fünf Endspiele hatte Ewa Pajor in der Champions League verloren, bevor sie mit dem FC Barcelona nun über Rekordsieger Lyon triumphiert. Damit zählt sie endgültig zu den besten Fußballerinnen der Welt.
Am Vormittag war das Camp Nou zur größtmöglichen Bühne des Klubs für eine seiner größten Spielerinnen geworden. Wenn es einen Vergleich für ihre Bedeutung bei Barça benötigt, dann greift tatsächlich jener mit Lionel Messi, den sie, was die Anzahl der gewonnenen Trophäen angeht, gar übertrifft: Der Argentinier hatte in seinen 16 Jahren 35 Titel gewonnen. Am Spielfeldrand saß Putellas auf einem Sessel, rechts und links von ihr hatte jemand die Ballons d'Or auf Tischchen gestellt, die sie als Weltfußballerin 2021 und 2022 auszeichnen. Und weil Putellas in ihrer Zeit bei Barça insgesamt 38 Trophäen gesammelt hat, glitzerten und funkelten um sie herum jede Menge Pokale. Den Neusten hat Barça ganz frisch am Samstag errungen, im Champions-League-Finale gegen Rekordsieger Lyon, und damit das Quadrupel perfekt gemacht.
Die Lücke, die Putellas hinterlässt, ist riesig. Wohin die 32-Jährige geht, ist nicht bekannt, Fragen danach wich sie bis zuletzt aus. Seit sie Anfang des Jahres im Stadion gesichtet wurde, wird ein Wechsel zu London City Lionesses vermutet, gefördert von Milliardärin Michele Kang. Auch Klubs aus den USA sollen großes Interesse an der Weltmeisterin haben. Aber wer hat das nicht? Putellas zählt zu den begehrtesten Spielerinnen auf dem Globus.
Ihr Abschied war keine Veranstaltung für 100 000 Fans, sondern geschah in fast schon intimer Stimmung. Putellas’ Mutter und ihre Schwester saßen auf der Tribüne, wie auch ihr gesamtes Team und Vertreter des Klubs wie Präsident Joan Laporta. Eine Moderatorin unterhielt sich mit Putellas über ihre Karriere und ihre Erlebnisse beim FC Barcelona. „Gestern spürte ich eine tiefe Leere, mein Herz schmerzte. Heute bin ich erfüllt von Liebe“, sagte Putellas. Immer wieder brach ihr die Stimme, immer wieder tupfte sie Tränen mit einem Tuch weg.
Wie auch bei Videobotschaften von Verwandten, Wegbegleitern, Vereinslegenden wie Carles Puyol, Sergio Busquets, Andrés Iniesta – und vor allem, als Patricia Guijarro sprach. Mit ihr und Aitana Bonmatí teilt Putellas technische wie taktische Finesse und bildete ein geniales Mittelfeldtrio. „Du wirst immer unsere Königin sein“, sagte Guijarro, „wir werden dich sehr vermissen.“ Irene Paredes bezeichnete Putellas als den „Motor all der Evolution, die wir durchlebt haben“. Am Ende der Zeremonie kamen ihre Mitspielerinnen zu ihr, ließen ihre Kapitänin hochleben, bevor sich die ganze Gruppe umarmte, Putellas mittendrin.
Dass der FC Barcelona auch bei den Frauen zu einer Großmacht geworden ist, hat viel mit Putellas zu tun, die seit ihrer Kindheit Fan des Klubs ist. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in Mollet del Vallès, einem Vorort Barcelonas, nahm ihr Vater Jaume sie als Sechsjährige erstmals mit ins Camp Nou. Er war selbst Barça-Fan und förderte früh ihren Weg. 2005 wurde Putellas in die Jugendakademie des FC Barcelona „La Masia“ aufgenommen. Doch weil es schon bald kein Team in ihrer Altersklasse gab, wechselte sie zu RCD Espanyol. Dort debütierte Putellas mit 16 in Spaniens höchster Liga, bevor sie über UD Levante im Sommer 2012 zurückkehrte zu ihrem Herzensverein. Der hatte endlich begonnen, den Fußball der Frauen ernster zu nehmen und gerade seine erste Meisterschaft gewonnen. In dieser Phase begann der Aufstieg – von Putellas und von Barça. Was für sie immer mit großem Schmerz verbunden sein wird, denn es war der Sommer, in dem ihr Vater unerwartet starb. Für Barcelona zu spielen bedeutete für Putellas stets auch, sich ihm nah zu fühlen.
Seither hat Putellas in 508 Partien 232 Tore erzielt, einzig Melanie Serrano stand mit 516 Einsätzen öfter auf dem Platz für Blaugrana. Spielerin und Klub sind miteinander gewachsen. Für El País stand fest: „Alexia verlässt Barça als die Fußballerin, die die Geschichte des Vereins verändert hat.“ Und das nicht nur wegen ihrer sportlichen Erfolge. Sie war Teil eines Teams, das auch dabei half, einen gesellschaftlichen Wandel anzustoßen. Irene Paredes sprach in ihrem Video von Evolution, oft glich der Kampf um Anerkennung und professionelle Bedingungen aber eher einer Revolution. „Wir haben das Frauenteam weitergebracht, als wir es uns jemals hätten vorstellen können“, sagte Putellas. Ihre Generation habe „die Welt bewegt“, die nächste werde „sie verschlingen“. Dass 2022 im Spiel gegen Real Madrid mit 91 553 Zuschauern im Camp Nou ein Rekord aufgestellt wurde, ist eine Wegmarke dieser Entwicklung. Nun findet, bedingt durch den harten Sparkurs des in Milliardenhöhe verschuldeten FC Barcelona, ein Umbruch statt. Auch Leistungsträgerinnen wie Mapi León und Ona Batlle gehen.
Für ihren Abschied, die „wichtigste Entscheidung meines Lebens“, habe es nicht den einen Grund gegeben, sagte Putellas. Seit Saisonbeginn habe sie darüber nachgedacht, ob sie noch genug Energie verspüre. Die vergangenen 14 Jahre seien so intensiv gewesen, sie habe alles gegeben, was in ihr steckt – und dieses Trikot könne man nicht halbherzig tragen. Putellas aber wollte sich unbedingt auf dem Höhepunkt verabschieden. „Der Gewinn unseres vierten Champions-League-Titels war der entscheidende Moment“, sagte sie: „Ich hatte ich das Gefühl, dass alles, was danach käme, dieses gesamte Gefühl verwässern könnte.“
So aber hat sich die Königin des FC Barcelona als Königin Europas verabschiedet. Es war, wie Alexia Putellas sagte: eine perfekte Geschichte.
In den vergangenen fünf Jahren gewannen die Fußballerinnen des FC Barcelona so gut wie alles. Nun aber schrumpft der Kader, selbst ein Weggang von Alexia Putellas erscheint nicht mehr ausgeschlossen – wegen der Schulden der Männer.
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