Joachim Burger erinnert sich gut an den Moment, als die ersten Daten kamen. Der Populationsgenetiker von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hatte als Teil eines internationalen, interdisziplinären Teams Skelette aus einem Reihengräberfeld in Altheim untersucht, im heutigen Niederbayern nahe Landshut. Friedhöfe wie dieser entstanden vor mehr als 1500 Jahren, als das weströmische Reich zusammenbrach. Vor Ort höre man deshalb gerne, „da liegen unsere germanischen Vorfahren“, sagt Burger. Doch die Gendaten zeigten: Es war eine wild zusammengewürfelte Gemeinschaft mit Erbgut aus Nord-, West- und Südosteuropa, Asien und Afrika. „München ist heute genetisch nur halb so divers wie dieses Kaff im frühen Mittelalter“, sagt Burger. „Wir haben anfangs überhaupt nicht verstanden, was wir damit anfangen sollten.“
