Eigentlich passt die Tracht gar nicht zum Oktoberfest. Denn genau genommen beschreibt das Wort eine traditionelle Kleidung, die typisch für eine bestimmte Region, Volksgruppe oder Berufsgruppe ist. Auf dem größten Volksfest der Welt – das zeichnet es aus – feiern aber Menschen aus der ganzen Welt und aus allen nur erdenklichen Berufsgruppen. Seit fast zwei Jahrzehnten ist dabei ein Trend zu beobachten: Sehr viele legen dazu Kleider an, die sie auf irgendeine Weise für traditionell halten. Lederhose oder Dirndl, dazu etwas Jankerartiges aus Loden oder Strick: So lassen sich die auf der Wiesn vorgeführten Trachten-Interpretationen ganz grob zusammenfassen. Dass die Tracht ursprünglich etwas eher Bäuerliches war, dass es so etwas wie eine originale Wiesn-Tracht gar nicht gibt – all das kümmert kaum jemanden. Wenn es Spaß macht, sind exakte historische Bezüge nicht so wichtig. Zur ersten Wiesn 1810 kamen wohl die meisten Menschen in Festkleidung: Schließlich wurde die Hochzeit gefeiert von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. In den 1980er-Jahren waren Jeans auf der Wiesn angesagt. Der Trend zur Tracht setzte erst danach ein.
