Ein Abstimmungsfehler ist ein Fehler, für den es im Grunde keine Entschuldigung gibt, weil die Regeln zuvor allen, die an der Abstimmung teilnehmen, klar sind. Gleich, ob Abgeordnete versehentlich die Hand für einen Vorschlag heben, den sie eigentlich ablehnen wollten, oder ob im Zuge eines Projekts jemand vereinbarte Abläufe ignoriert und unerwünschte Sätze in die Welt jagt, die in einer Welt, in der sich Informationen schneller als ein Waldbrand verbreiten, nicht mehr zurückzuholen sind. Beides kommt vor, beides ist allzu menschlich, und die Versuchung, den Fehler zu erklären, ist groß. Doch in den meisten Fällen gilt für Abstimmungsfehler das, was der deutsche Schriftsteller Wilhelm Raabe 1889 in seinem Roman „Das Odfeld“ über ein Gefecht im Siebenjährigen Krieg geschrieben hat: „… die beste Rechtfertigung hilft nur zu häufig nur dazu, den Verdruss noch größer zu machen“. Ähnlich verhält es sich mit dem Post, den Bundeskanzler Friedrich Merz nach dem Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM veröffentlichen ließ und in dem von Begeisterung über das Team die Rede war. War unklug, war ein Fehler. Punkt.
