SZ 30.03.2026
15:32 Uhr

(+) Wal in der Wismarer Bucht: Als stürbe mit ihm eine Welt


Das Schicksal des Buckelwals in der Ostsee gleicht einem klassischen Drama in fünf Akten. Rührt es uns deshalb so an? Oder liegt es an der besonderen, sagenumwobenen Beziehung des Menschen zu den Meeresriesen?

(+) Wal in der Wismarer Bucht: Als stürbe mit ihm eine Welt
Der Wal mit einem Taucher in der Ostsee. Daniel Bockwoldt/dpa

Da liegt er wie ein Stück Fels im Wasser und atmet kaum noch, der Rücken geschunden von Sonne, Wind und pickenden Möwen. Die Oberhaut in Fetzen, die Unterhaut zeigt rohes Fleisch. Im Maul, heißt es, hängen Reste eines Fischernetzes. Sein Schreien hat man in der Nacht schon kaum mehr gehört. Ein Bild des Elends, hinausgesandt in alle Welt: die Qual des Wals. Der Meeresriese, darniederliegend in der Wismarer Bucht, im Flachwasser der Ostsee, wo er nicht hingehört. Wird der Säuger es schaffen, sich noch einmal aufzurappeln und Kurs zu nehmen auf das offene Meer? Oder wird er, kraftlos und krank, wie er ist, vor Wismar verenden? Womöglich gar mit Sterbehilfe von menschlicher Hand? Er könnte abschwimmen, heißt es, das Wasser sei dafür tief genug. Aber vielleicht will er das gar nicht. Vielleicht will er einfach nur, dass es endet.

Das feuchte Wetter treibt die Nacktschnecken auf die Wege, vor ihren überfahrenen Exemplaren ekelt es einen besonders. Warum nur ist der Mensch so selektiv mit seinem Mitleid?

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